Das "Deutsche Haus" wird jetzt restauriert

An error occurred in a Search Lucene API module.

Alte Sprüche erhalten neuen Glanz
Das „Deutsche Haus" wird jetzt restauriert Eines der schönsten Gebäude der Stadt

Von Hans Kloep
Bergisch Gladbach — Eine große Plastikplane verhüllt zur Zeit die Fassade eines der schönsten Bergisch Gladbacher Jugendstilhäuser , das in den Jahren 1907/ 08 in Gronau, Hauptstraße Nr. 17, errichtet wurde. Nun wird das „Deutsche Haus", wie es früher einmal genannt wurde, von Grund auf renoviert. Wie der Name des Hauses, ist auch die Fassadengestaltung vom damaligen Zeitgeist nicht verschont geblieben. Nach der Restaurierung werden wieder geschnitzte Wappensprüche wie „Deutsches Denken, deutsches Wort, deutschen Volkes bester Hort" oder „Am guten Alten in Treuen halten, am kräftigen Neuen sich stärken und freuen" deutlich zu erkennen sein. Der schlanke Erker mit seinem Spitzdach erinnert noch heute an die Ausschmückung alter Patrizierhäuser.
Die Geschichte des Hauses, mit vielen Einzelschicksalen verbunden, fing 1909 mit dem Einzug des Ehepaares Hauptmann Richard Feiber und Frau Margarethe an, die zu erzählen sich aufdrängt.Die junge Frau war die dritte Tochter von Friedrich Westphal, einem bekannten Bergisch Gladbacher Unternehmer, der eine zeitlang Teilhaber der damals in Turbulenzen geratenen Papierfabrik Zanders war. Außerdem war er Beigeordneter der Stadt Bergisch Gladbach. Der großzügige Bau des „Deutschen Hauses" war wohl Westphals „verspätete" Mitgift für seine Tochter Margarthe.
Das große Wappen über den Paterrefenstern rechts ist eine Wiedergabe des Wappens, mit dem der Großvater von Richard Feiber als Arzt in Castellaun auf dem Hunsrück in 50jähriger Praxis siegelte. Die Familienchroniken reichen bei Feiber im Hunsrück zurück bis 1744, bei den Westphals bis 1710 nach Pommern.
In seiner aktiven Zeit war der spätere Major Richard Feiber vorübergehend Lehrer an der Bensberger Kadettenanstalt und 19 Jahre Stadtkommandant von Wesel.
Mit dem Bau des Hauses war der Architekt Oskar Lindemann im Alter von 27 Jahren beauftragt worden. Der junge Architekt besaß das Vertrauen von Friedrich Westphal, war Lindemann doch ein Schüler des bekannten Architekten Ludwig Bopp gewesen, der das Bergisch Gladbacher Rathaus entworfen und gebaut hatte. Dabei hatte ihm Lindemann assistiert, der nur nur 34 Jahre alt wurde. Er fiel im Ersten Weltkrieg.
Einen besonders „glanzvollen" Tag erlebte das Haus, als es als erstes Gebäude in Bergisch Gladbach elektrifiziert wurde. Mit der sich entwickelnden Technik der damaligen Zeit völlig vertraut, hatte Architekt Lindemann bereits vorsorglich für die künftigen Elektroleitungen Rohre in die Hauswände verlegen lassen. Als dann in Bergisch Gladbach Strom geliefert werden konnte, erstrahlte das „Deutsche Haus" als erstes Gebäude im Glanz elektrischer Lampen.
Die Familie Feiber, die vier Kinder hatte, nutzte das große Haus mit den vielen Räumlickeiten bis zum Kriegsende 1918 allein. Bereits 1915 suchte ein schwerer Schicksalsschlag die Familie heim: der älteste Sohn fiel im Kriege, im zweiten Weltkrieg fiel die älteste Tochter als Krankenschwester in Rußland.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das „Deutsche Haus" von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und zum Hauptquartier einer Artilleriebrigade umfunktioniert. Im Hause herrschten nun ein Oberst und ein Hauptmann mit 14 Offiziersburschen. Aus den unteren großen Räumen wurde eine Offiziersmesse. In der obersten Etage durfte das Ehepaar Feiber wohnen bleiben.
Nach Abzug der Engländer legte die Stadt ihre Hand auf das Haus und belegte es mit Mietern, die einen    Wohnungsberechtigungsschein für die einzelnen Räume bekommen hatten. Die Fremdnutzung hat dem Hause nicht gut getan und Spuren hinterlassen. Die Engländer hatten unter anderem eine zusätzliche Küche eingerichtet. Auch die nachfolgenden Mieter gingen nicht immer schonungsvoll mit dem schönen Gebäude um. Anfang der dreißiger Jahre mußte es gründlich renoviert werden.
Nach dem Tode des Ehepaares — wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg — übernahm Sohn Roland Feiber das Gebäude, der während des Krieges in Amerika lebte und schließlich über Japan nach Deutschland zurückkam. 1987 kaufte eine Urenkelin des früheren Beigeordneten Friedrich Westphal das vom Zahn der Zeit stark angenagte und unter Denkmalschutz stehende Haus.
Nun wird das Gebäude in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Dach und Fassade werden komplett erneuert oder restauriert. Die Fenster, auch die der hübschen vorspringenden Erker, werden originalgetreu wieder hergestellt. „Die ganze Renovierung des Hauses kostet ein kleines Vermögen", sagen die heutigen Besitzer. Aus Denkmalschutzmitteln beteiligen sich die Stadt und der Kreis zusammen mit rund 18000 Mark.
Lange Zeit begrünte „Wilder Wein" das Haus, bis die Bundespost vor dem Haus Kabel verlegte und dabei das Wurzelwerk der Weinstöcke so beschädigte, daß die grüne Pracht einging. „Aber der Wurzelrest ist wieder ausgeschlagen, so daß wohl in einigen Jahren neues Grün das Gebäudeziert", sagen die heutigen Besitzer.
Aber auch die „Familienwurzeln" sind im Feiber-Haus nicht ganz abgestorben. Zur Zeit wohnt , neben anderen Mietern, eine Ururenkelin des früheren Beigeordneten Westphahl in dem Gebäude. Bei aller Schönheit des Hauses: „Der Verkehrslärm vor dem Hause macht ihr erheblich zu schaffen", war zu erfahren.

Architekt Oskar Lindemann zeichnete im Jahre 1907 den Bauplan für das „Deutsche Haus" in Gronau bis ins letzte Detail. Selbst das große, für den Bauherrn Feiber symbolträchtige Wappen über den Paterrefenstern (rechts) fehlte nicht in der akkuraten Zeichnung. (Repros: Möllinghoff)

Das Hochzeitsfoto der Eheleute Richard Feiber und Frau Margarethe, geborene Westphal, aus dem Jahre 1896. Sie bauten das große Haus in Gronau. Hauptstraße 17.

Hinter einer Plastikplane verbirgt sich zur Zeit das geschichtsträchtige Haus der Familie Feiber. (Bild: Günter Möllinghoff))

Quelle: 
KStA-19921003 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe erteilt für BGV durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 20. Nov. 2009