Bürger feierten ihre Villa Zanders


Bürger feierten ihre Villa Zanders
Wiederöffnung fand Freitag abend großes Echo in der Öffentlichkeit: Über 1000 Besucher Bürgermeister Holger Pfleger in seiner Festansprache: „Kultur ist für alle da" — Viel Prominenz

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Bergisch Gladbach — Auf diesen Tag haben die Bürger lange gewartet. In der Geschichte der Stadt wird der 31. Januar 1992 einen besonderen Rang einnehmen. Über fünf Jahre war die Städtische Galerie Villa Zanders geschlossen. Die notwendigen Umbau- und Restaurierungsarbeiten zogen sich lange hin. Aber das ist vergessen. Die Bevölkerung nahm gestern abend ihren renommierten Musentempel mit ungeahnter Begeisterung und Zustimmung wieder in Besitz. Das war ein internationales Ereignis.
Delegationen entsandt
Alle Partnerstädte aus Frankreich, England, Holland, Litauen und Zypern nahmen Anteil. Sie hatten Delegationen entsandt, die am Vormittag zum Auftakt der Feierlichkeiten im Rathaus empfangen worden waren. Eine große Zahl von Ehrengästen aus der Stadt, dem Rheinisch-Bergischen Kreis und darüber hinaus kam zur Eröffnung, Vertreter der Politik, der Verwaltungen, der Wirtschaft, des Handels, der Banken und Sparkassen und aller im Kreis ansässigen Behörden. Alles, was Rang und Namen hat, war versammelt. Prominentester Gast war Wladimir Semjonow, ehemals sowjetischer Hochkommissar, Vizeaußenminister und Botschafter der UdSSR, ein großer Kunstkenner und Kunstsammler von hohen Graden. Natürlich sah man auch die Vertreter der Familie Zanders, deren Name mit der Bergisch Gladbacher Städtischen Galerie untrennnbar verbunden ist.
Kein anderes Gebäude, kein anderer Anlaß in der Stadt hat bisher die Bürger so mobilisiert und interessiert wie die Wiedereröffnung der Villa Zanders. Über 2000 Einladungen sind versandt worden, es schien, als sei zumindest mehr als die Hälfte der Eingeladenen gekommen. Kein Raum in der Stadt reichte aus, um alle aufzunehmen. Selbst das Bürgerhaus Bergischer Löwe platzte bei dem Andrang aus allen Nähten. Die Foyers mußten bestuhlt und in Anspruch genommen werden, die Gäste unterzubringen. Über Monitore auf allen Ebenen konnten sie die Ereignisse im großen Saal miterleben.
Bürgermeister Holger Pfleger, der eine lange Gästeliste verlas und das Projekt Villa Zanders in Einzelheiten vorstellte, sagte: „Die bildende Kunst erhält eine großzügig bemessene Heimstatt. Wir erwarten nun, daß das traditionsreiche Haus wieder das wird, was es einmal war: ein kultureller Mittel-punkt der Stadt. Dazu wird es weiterer und immer wieder neuer Anstrengungen aller bedürfen. Es wird darum gehen, unter Einbeziehung und Mobilisierung aller kreativen Kräfte vor Ort ein Klima zu erzeugen, in dem Kunst auf vielen Ebenen und an vielen Plätzen gedeihen kann."
Pfleger betonte in seiner Ansprache, daß dem Kulturangebot der Städte eine Schlüsselfunktion zukomme. An der Qualität und der Quantität des Kulturangebots lasse sich die Attraktivität einer Stadt ablesen. Kultur sei ein zuverlässiger Gradmesser für Urbanität im Sinne einer Lebensqualität, die eine Beziehung zum Wohnort entstehen lasse. „Sie ist eine ganz wesentliche Voraussetzung für ein bürgerschaftliches Wir-Gefühl, das Gefühl, das eigene Lebensumfeld aktiv mitzugestalten und mitzuverantworten."
Pfleger erinnerte an die Geschichte der Villa und an das große Engagement der Stadt, sie zu einem zentralen Ort der Kunst und Kultur auszugestalten und dankte allen, die dazu beigetragen haben. u.a. dem Landeskonservator und seinem Bezirksreferenten Dr. Stürmer, dem Restaurator Horst Hahn sowie dem städtischen Bauleiter Karlheinz Zervas.
Ohne Mäzene, meinte Pfleger, könne man nicht mehr auskommen. Er sprach nicht nur den am Bau beteiligten Handwerkern seine Anerkennung und seinen Dank aus, sondern vor allem auch denen, die dazu beigetragen haben, die Sammlungen zu bereichern, wie zuvörderst die Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln, die es ermöglichte, die Sammlung Medium Papier aufzubauen, aber auch der Paffrather Raiffeisenbank. die ein Kunstwerk von Ulrich Wagner für das Entree der Villa stiftete. Pfleger verlas eine lange Liste von Mäzenen der Villa. zu denen auch der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln, Herausgeber und Verleger Alfred Neven DuMont, zählt, der für den Verlag DuMont Schauberg eine Bücherstiftung für die Präsenzbibliothek gemacht hat. Eine besondere Stiftung, so Pfleger. erfolgte durch den Kölner Maler Wilhelm Gorré, der der Stadt rund 260 Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken schenkte.
Der Bürgermeister sagte auch, daß es sinnvoll sei, Schwerpunkte zu pflegen und herauszustellen, die sich aus der Geschichte der Stadt ergeben. Das ist die Konzentration auf die internationale Papierkunst. Auf die Historie der Villa Zanders ging Pfleger ebenfalls ein. Heute sei es kaum verständlich, daß es Bestrebungen gegeben habe, das Haus abzureißen. Pfleger: „Nur dem energischen Eintreten einiger weniger ist es zu verdanken, daß das Gebäude nicht der Spitzhacke zum Opfer fiel."
Museumsreferent Dr. Wolfgang Vomm blieb es vorbehalten, über die Verbindungen von Historie und Gegenwart und über die Konzeption der Städtischen Galerie, Medium Papier, zu referieren. „Im Vergleich zu anderen traditionellen künstlerischen Arbeitsmateriealien besitzt Papier universale Eigenschaften. Seine unerschöpflichen, auch akustischen und haptischen Qualitäten faszinieren den Künstler verstärkt seit den 60er Jahren." In der abwechslungsreichen Vielgestaltigkeit der Sammlung spiegele sich die Heterogenität der modernen Kunst.
Vomm machte gewissermaßen den Cicerone durch die Sammlung. die er den Gästen der Eröffnung im einzelnen vorstellte. Der ehemalige Chef des Museums Ludwig in Köln, Dr. Siegfried Gohr, hielt die Festansprache (wir werden darüber noch berichten).
Die Big Band der Musikschule sorgte für die musikalische Note der Eröffnungsfeier, der die temperamentvolle Inbesitznahme der Villa durch die Bürger folgte.

Die Wiedereröffnung der Villa Zanders war für die Bürger ein Magnet: Sie kamen in hellen Scharen zur Eröffnungsfeier ins Bürgerhaus Bergischer Löwe und anschließend in die Villa. (Bilder: Albert Günther)

Freund der Stadt: Botschafter a.D. Wladmir Semjonow (links) mit Silvia Zanders, Lydia Semjonow und Bürgermeister Pfleger.

Auch mit Stehplätzen nahmen die kunstinteressierten Bürger vorlieb: Der große Bürgerhaus-Saal war bei der Eröffnungsfeier für die Villa Zanders bis auf den letzten Platz besetzt.

Kunst für alle: Bürgermeister Holger Pfleger bei seiner Ansprache.

Quelle: 
KStA-19920201 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe erteilt für BGV durch KStA mit email vom Nov. 2009