Vor 60 Jahren gegründet: die Wupper-Sieg

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Vor 60 Jahren gegründet: Die Wupper-Sieg sollte Mängel der Eisenbahn ausgleichen
Reife Dame mit Vergangenheit
Die „Wupsi" hat, in die Jahre gekommen, große Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft

Von Jürgen Koch
Der Geburtstag verstrich ganz sang- und klanglos, den sechzigsten wollte der Vorstand nicht an die große Glocke hängen. Denn so blendend geht es dem Geburtstagskind „Wupsi", wie die Kraftverkehrsgesellschaft Wupper-Sieg liebevoll genannt wird, nun auch wieder nicht, Pillenknick und Arbeitslosigkeit machen der Wupsi Sorgen, das Herz der Bürger schlägt immer noch mehr fürs schicke Automobil denn für den Omnibus. Eine kleine Erinnerung an Wupsis Wiege und ihre ersten Gehversuche wurde jüngst in der Hauspostille „Bus und Bahn" veröffentlicht.
„Zweites Kind"
Ursprünglich, so ist dort nachzulesen, sollte der neue Sproß die Mängel der Schwester Bahn ausbügeln. Im Jahre 1924 fuhren die ersten Wupsi-Busse noch vorrangig im Bergischen und Oberbergischen, der Landkreis Wipperfürth war schienenmäßig nur dürftig erschlossen. So reifte der Gedanke an ein zweites Kind; am 3. März 1924 entschloß sich der Kreistag, die Produktion in Angriff zu nehmen. Bereits vier Monate später erblickte der Sproß das Licht der Welt. Der erste Bus fuhr zwischen Wipperfürth und Kürten.
Das Kind gedieh prächtig, am zweiten Geburtstag beförderte Wupsi auf sieben Linien die Fahrgäste. Im Geburtsjahr nahmen die wenigen Wupsi-Gefährte 87 000 Fahrgäste mit und legten im zarten Alter ganze 46000 Kilometer zurück. Heute gehören zum Fuhrpark 181 Busse. Fast 29 Millionen Bürger chauffierten die Fahrer — 318 Mitarbeiter, davon allein 40 in den Werkstätten, verdienen sich beim Geburtstagskind ihre Brötchen — die Fahrgäste von einem Ort zum anderen. Die Beförderungs-Kapitäne, Damen lenken bei der Wupsi keine Busse, brachten 7.5 Millionen Kilometer hinter sich. Auf dem Weg in reifere Lebensjahre hatte die Wupsi einige Abenteuer zu bestehen. Mit der Reichspost lag sie einige Zeit im Clinch, bis die Tummelplätze abgegrenzt wurden.
Dann bekam Wupsi neue Eltern: nicht mehr der Kreis, sondern — ab 1929 — die Aktionäre kümmerten sich um sie. Wupsi war keine sechs Jahre alt, als der Kreis Olpe ihr schöne Augen machte, sie griff zu und hatte fortan ihren Anteil an den Olpener Bussen. Dann liierte Wupsi sich mit der neu gegründeten Gesellschaft „Kraftverkehr Rhein-Wupper".
Nach dem Wiederaufbau Anfang der 50er Jahre, ließ sich Wupsi vom Kraftverkehr Olpe scheiden, ihre Netze waren nicht zu vereinheitlichen. 17 Jahre blieb sie solo. Dann wurden die ersten Schritte zur Harmonisierung des Nahverkehrs zwischen Köln und Düsseldorf eingeleitet, wie es in dem Geburtstagsartikel heißt. Wupsi übernahm die „Bahnen des Rhein-WupperKreises", zwei Jahre späterwurde die Ehe besiegelt, der Familienname „Verkehrsgesellschaft Rhein-Berg" ins Stammbuch eingetragen. Später entstand dann die Verkehrsgemeinschaft Rhein-Wupper, in der Wupsi selbstbewußt ihre Selbständigkeit bewahrt hat.
Nach der kommunalen Neugliederung trennte sich Wupsi von ihren angestammten Linien im Oberbergischen Kreis und bedient heute den Großraum Leverkusen und Bergisch Gladbach.
Alt, aber aktiv
Nachdem der Kreis Mettmann der Wupsi untreu geworden war und zarte Bande zur Verkehrsgesellschaft Rhein-Ruhr geknüpft hatte, machte sie es sich in den Armen der Verkehrsgemeinschaft Bergisches Land bequem. Auch im Alter von 60 Jahren denkt sie noch lange nicht daran, ihr bewegtes Leben aufzugeben. Die Braut hat schon einen Bräutigam, will eine Großfamilie gründen mit den Kölner und Bonner Verwandten. Verkehrsverbund Rhein-Sieg solldann auf dem Türschild stehen. Finanziell steht sie nicht viel besser da als ihre Schwestern und Brüder anderswo. In ländlichen Gebieten, so klagt Vorstandsmitglied Dr. Gerd Wasser, leidet Wupsi an der Pille und dem Knick, für die selbige verantwortlich ist. Das Standbein des Schülerverkehrs — 50 Prozent machen die Umsätze des Unternehmens in diesem Bereich aus — wird immer kürzer. Am anderen Bein nagen die Konjunktur und die Arbeitslosigkeit, die Zeitkartenverkäufe mit einem 25prozentigen Anteil am Geschäft gehen zurück.
So machte Wupsi 1982 ein Minus von 200000 Mark, kam '83 nur dank nachträglicher Zuschüsse über die Runden. Attraktiv muß sie bleiben, darf im Alter nichts von ihrem Charme einbüßen, dann wird sie auch den 75. Geburtstag erleben. Charmant gibt sie sich seit geraumer Zeit mit dem Slogan: „Nette Leute auf der ganzen Linie". Sie kann das Flirten eben nicht lassen.

IN DEN ERSTEN NACHKRIEGSJAHREN schnauften noch betagte Omnibusse im Dienst der „Wupsi", wie unser Bild vom Knotenpunkt vor dem Rathaus in Bergisch Gladbach zeigt. Heute bedient das Unternehmen „Kraftverkehr Wupper-Sieg" mit modernen Fahrzeugen den Großraum Bergisch Gladbach und Leverkusen.    Bild: Wupsi AG

SO SIEHT DIE NEUE ZENTRALE der Wupsi in Bergisch Gladbach aus. Unter dem Parkhaus befindet Seit sechzig Jahren befördert die Kraftverkehr Wupper-Sieg Fahrgäste. Heute legen 181 Gefährte, davor Millionen Kilometer jährlich zurück und nahmen 1983 rund 29 Millionen Fahrgäste mit.

Quelle: 
KStA-19840710-nr157-rn19 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe erteilt für BGV durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 2. Nov. 2009