Die Morsches-Geschichte

I)
Woher stammt der Name „Morsches“?
 
 
 
An Verwandte
verteilt am
1. Teil:
I)
Woher stammt der Name Morsches?
 
 
II)
Korst Morßes (Morßhoven, Morsches)
22.12.1982
2. Teil:
III)
Die Morsches in Kempen
23.12.1983
3. Teil:
IV)
Die Morsches in Neuß
 
 
V)
Die Morsches in Oedt und Düsseldorf
23.12.1984
4. Teil:
VI)
Die Morsches in Amerika
 
 
VII)
Ein interessanter Brief aus dem Jahre 1923
 
 
VIII)
Mein Urgroßvater, der Sattler Franz Morsches
23.12.1985

Um es vorweg zu nehmen, der Name kommt letztlich von einem Moor. Das ehemals sehr moorastige Gelände hat heute sumpfige Weiden und liegt etwa da, wo die Stadtgrenzen von Mönchengladbach, Wegberg und Erkelenz aneinander stoßen, unweit der B 57.
a)
Moorshoven bei Wegberg
Der Ortsteil von Wegberg heißt Moorshoven und in seinem Zentrum liegt der große „Moorhof“, dessen Gebäude einst ein Wassergraben umschloss, wie man heute noch gut erkennen kann.

Hier war einst eine Burg als Rittersitz der geldrischen Adelsfamilie „von Moorshoven“.1 Der früheste hier genannte Ritter dieser Sippe war Adam (I.) von Morshoven. Sein Enkel Adam (II.) von Morshoven wurde um 1290 geboren. Von diesem Adam (II.) sind etwa 40 Urkunden im Stadtarchiv Köln aus der Zeit von 1316 bis 1362 sowie weitere Urkunden in anderen Archiven erhalten. Meist beantragte oder quittierte er seinen Sold, den er für den Dienst zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung im Lande zwischen Erkelenz und Kempen erhielt.

Sicherlich waren diese Adams keine Urahnen der heute lebenden Morsches’. Aber Adam (II.) hat den Namen „Morshoven“ ins Kempener Land gebracht, wo später zwei Höfe diesen Namen trugen, und nach diesen Höfen wurden dann etwa 300 Jahre später die Pächter und Halfmänner „Morsches“ genannt.

b)
Morshoven bei Vorst
1325 wird Adam von Morshoven im Zusammenhang mit Grundbesitz im Kempener Land genannt. Ein Rittergut zwischen Oedt (heute zu Grefrath gehörig) und Vorst (heute Ortsteil von Tönisvorst) in der sogenannten Hahnenweide wurde nach ihm „Morshoven“ genannt.2

1372 wird Elias Schaffrath als Besitzer dieses Ritterguts Morshoven erwähnt. Sein Nachfolger Johann nennt sich nach 1400 Johann Schaffrath von Morshoven, wohl um sich von einem Kempener Kleriker Johann Schaffrath abzuheben. Die Morshovens starben um 1500 aus. Es folgen als Lehnsleute des freien Hofs namhafte niederrheinische Adelsfamilien wie die von Lintzenich (1511-1674), die von Efferen, genannt Hall, die Sybertz (ab 1701), die von Cloet (ab 1726) und die von Francken (1729-1766).

Keiner dieser adeligen Besitzer gehörte zu den Vorfahren der heutigen Morsches. Die Besitzer wohnten nicht auf dem Hof, sondern hatten dort Pächter (auch Halfmänner genannt) eingesetzt. Wenn in den seit 1661 erhaltenen Taufbüchern der Pfarre Vorst3 der Name Morsches oder Varianten davon auftauchen, so sind die entsprechenden Personen bestimmt mit einem der Pächter des Hofs in Verbindung zu bringen. Aber auch diese Morsches’ gehören nicht zu den Ahnen der heutigen. Vermutlich haben ihre Nachfahren andere Namen angenommen, wie z. B. Morsch, Moersch oder den heute in der Gegend gebräuchlichen Namen Mörschen. Heute ist der Hof in der Karte mit „Morsches“ bezeichnet.4

c)
Morshoven bei Kempen
Der oben bereits erwähnte Elias Schaffrath wurde 1371 anlässlich seiner Heirat mit Mettildis von Schmalbroich mit dem freiadeligen Hof Schmalbroich belehnt, der etwa einen Kilometer westlich der Kempener Stadtmauer liegt.5

Hier kamen die Besitzer des zunächst Schmalbroich genannten Hofs anfangs aus der Sippe van Wyenhorst (Karl um 1420, Heinrich bis 1453, Diederich Loiff bis 1456). Es folgte dessen Schwiegersohn, Johann von Kaldenhoven (1456-75 und 1481-87; dazwischen Wilhelm von Broichhausen), dessen Sohn Loiff von Kaldenhoven (ab 1487) und der Schwiegersohn dieses Loiffs, Niklas von Honselar (ab 1519). Seit 1520 nannte man den Hof „Morshoven“ – wohl zur Abgrenzung gegen den neuen Nachbarhof von Meves Schmabers (mundartlich für Schmalbroich).

Der genannte Niklas wurde 1550 mit dem Hof Kaldenhoven in Crefeld belehnt. Er nannte sich auch „von Kaldenhoven“. In einer Urkunde von 1552 6 wird ein Eidam des Class Morshoven erwähnt. Das ist die einzige (mir bekannte) Urkunde, in der ein ehemaliger Besitzer des Hofs den Namen Morshoven trägt. Es ist unwahrscheinlich, dass Class von Honselar Ahnherr der heutigen Morsches’ war.

Auch bei diesem Hof, der heute wie 1659 in der Karte mit „Morsch“ und in der Kopie (von 1827) dieser Karte mit „Morsches“ bezeichnet wird7, dürften Pächter und Halfmänner , die jahraus jahrein dort wohnten, den Namen des Hofs angenommen haben. Der erste namentlich bekannte Halfmann war Korst (= Christian) Morßhoven, auch schon „Morßes“ genannt, der später noch eingehend behandelt werden wird.

Der Vollständigkeit halber sollen auch die folgenden Besitzerfamilien des Schmalbroicher Hofs Morshoven noch aufgezählt werden: Haes, von Merode zu Schloßberg, Quad, von der Hall, Pelden, genannt Cloudt, und Schall von Bell. 1729 wurde der Hof an Freiherrn von Geyr verkauft.

d)
Größe und Aufteilung des Schmalbroicher Hofs Morshoven bei Kempen
1371 wird die Größe des Hofs mit 40 Morgen Ackerland angegeben. In der Beschreibung des Amtes Kempen von 1659/60 sind es 49 Morgen und genau so viele in den Kontributionslisten von 1675. In bisher nicht sortierten und nicht veröffentlichten Akten des Archivs Pelden-Cloudt fand ich drei Urkunden des Gerichtschreibers Johann Scheutt, die Auskunft über Größe und Aufteilung des Hofs geben.8

Die erste Urkunde vom 6. März 1669 bestätigt die den Hof betreffenden Angaben der Beschreibung des Amtes Kempen von 1659/60. Die wesentlichen Teile seien hier abgedruckt:

„Anno Christi, ein tausend, sechshundert, funfzig neun, und folgents, als auß gnädigstem Churfürstlichem befelch, daß Ambt Kempen describirt worden, ist gemeßen in Schmalbrocher Honschafft gelegener, also genanter Morßhouer Hoff, befindt sich, inhalts Verzeichnis, daß die Sollstatt groß seye sechßig funf ruden, gart und baumgart, achtzig sieben ruden, busch siebenzehn morgen, benden vier morgen drey Viertel, und bawlandt vierzig vier morgen, hundert sieben ruden. Urkundt meiner eigenhändiger Unterschrift, und beygedrückten pittschafft,

Kempen, den sechsten Marty ein Tausend, sechshundert sechßig neun.

Jo. Scheutt Gerichtschr.“

Auch die zweite Urkunde vom 9. März 1669 sei im Wesentlichen hier abgedruckt. Nach vielen Formalien wird das Grundstück des „Morßhouer Hoff“ ausführlich beschrieben und taxiert:
„... Darauf stehendt hauß und scheur zu
700 Thlr.
Feldspfort mit der reywandt biß ahns Hauß, zu
75 Thlr.
Ein Kleingehühs oben einem Keller mit der reywandt,
biß ahn die feldspfort zu

25 Thlr.
Bey dem Kleinen gehuchs stehendes größer gehuchs,
oder alte oligs muhl geheißen zu

100 Thlr.
Die Pfort zu der buschseithen sambt backhauß, Karren-
schöpgen, und reywandt bis ahn die scheur zu

 100 Thlr.
Zusammen zu
1000 Thlr.
oder funfhundert Reichsthlr geschätzt: Welchem nach deren halfischer Erbgenahmen Viertertheil deß gantzen Morßhouer Hoffs, wie Cörst der Halffman, die darauß fallende Jahrpfacht zu bezahlen außsagte, sich ertrüge ein hundert zwantzig funf Thlr. Kempisch, oder sechßig zwey und ein halber Heller . ...“
Die dritte Urkunde vom 23. Oktober 1670 wird wieder ganz abgedruckt:

„Cörst der Halfman auf Morßhofer Hoff in Schmalbroicher Honschaft Ambts Kempen

Welcher Hoff Herrn von Quad zu Büllesheim zu einer Halbscheidt,
dem Herrn von der Hell zu einem Viertentheill,

und denen Herren von Merode und [unleserlich!] zum anderen vierdten theil zuständig ist

bawet hierahn gehörige, ad primam classem in der tax
gesetzte 38 morg bawlandt
38 morg.
 
ad 2dam classem gesetzte ausgerottete
5 morg.
130 r.
und auß Windhagen ad primam Classem gesetzte
- Herren von Nyuenheim zugehörige -

 13 morg.
 
56 morg.
130 r.

hatt ahn benden 4 ¾ morg.“

Es folgen Schlusssatz und Unterschrift.

Nach der Beschreibung in der zweiten Urkunde kann man heute noch für die Zeit um 1669 einen Lageplan des Hofs zeichnen. Aus der sog. Tranchotkarte (um 1805) 9 geht hervor, dass das Wohnhaus, wie üblich, auf der Westseite lag. Die Form war annähernd quadratisch – ein sog. Vierkanter-Hof. Noch heute führt das nördlich des Hofs gelegene Feld die Flurbezeichnung „Morsfeld“. Es war (und ist?) das Kernstück des zum Hof gehörigen Ackerlands.

e)
Zur Entwicklung des Namens „Morsches“
Es ist klar, dass sich der Name Morsches aus dem Hofnamen Morshoven entwickelt hat. Die Endung „-hoven“ (es kommen auch Varianten vor wie z. B. „-haven“, „-houen“, „-hofen“ usw.) bedeutet wohl nichts anderes als „Hof“ oder „bäuerliches Gut“. Im 17. Jahrhundert wurde diese Endung zunächst beim Familiennamen und dann beim Hofnamen nach und nach immer öfter weggelassen. 1654 taucht sie zum letzten Mal beim Familiennamen auf, danach nur noch einige Zeit beim Hofnamen. Das „o“ in der ersten Silbe wurde früher im Gegensatz zu heute lang ausgesprochen, wie die vielen Dehnlaute „oo“, „oe“, „oy“ oder „oi“ beweisen. Noch in der Standesamtszeit kurz nach 1800 unterschrieben unsere Vorfahren oft mit „Moersches“, während der Standesbeamte immer „Morsches“ schrieb, so wie der Name gesprochen wurde. Das „s“ der ersten Silbe wurde scharf gesprochen. Hierfür finden sich häufig die Schreibweisen „ß“ oder „hs“. Nach Weglassen der Endsilbe „-hoven“ finden wir zunächst als Familiennamen „Morßes“, „Morßis“ usw. Das waren die Leute, die auf dem Morßhof lebten. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts vollzog sich dann die Änderung vom „ß“ zum „sch“, die etwa 1685 abgeschlossen war. Von da an wird der Name Morsches immer gleich geschrieben, wenn man von wenigen offensichtlichen Schreibfehlern absieht.
II)
Korst Morßes (Morßhoven, Morsches)
Korst Morßhovens ist 1628 und 1639 (Morß Houens)10 als Pächter und Halfmann auf dem freiadeligen Gut Morßhoven in der Honschaft Schmalbroich im Amt Kempen genannt. In den oben erwähnten Urkunden11 finden wir entsprechende Hinweise auf den Pächter zu Morßhoven 1659 („Halbman Christian“), 1669 („Cörst der Halffman“) und 1670 („Cörst der Halfman“). Was sagen die Kirchenbücher der Kempener Probsteikirche über diesen Korst aus?12 Am 16.7.1628 heiratete Koerst Morßes eine Berber Müller. Vier Kinder wurden in Kempen getauft: am 14.10.1629 ein Sohn Vitus Morßes, am 2.3.1633 ein Johannes, am 5.12.1638 unsere Ahnin Judith (Tochter von Korst Morßhouven oo Berber) und am 15.1.1642 Lentgen (Tochter von Cristianus Morschhalfen oo Berber). 1628 wird Corst Morses als Taufpate erwähnt und 1629 ebenso Corst Morßels. Leider beginnen die Taufbücher von Kempen erst 1608 (so früh beginnen sie zwar sonst selten). Daher ist die Geburtsurkunde des Korst nicht erhalten. Er dürfte so um 1600 geboren sein.

Auch auf seine Eltern gibt es keine zwingenden Hinweise. Acht Ehepaare namens Morßes (oder ähnlich) lassen zwischen 1608 und 1617 Kinder in Kempen taufen. Als mögliche Eltern kommen einige weitere hinzu, die in dieser Zeit als Taufpaten genannt sind. Vitt Morsis und Frau Judit bekommen im Juni 1609 eine Tochter Girdt. Da ansonsten keine Anzeichen auf die Eltern zu erkennen sind, möchte ich mitteilen, warum ich vielleicht diese zwei als Eltern von Korst für nicht unwahrscheinlich halte. Der älteste Sohn von Korst hieß Vitus, die älteste Tochter hieß Judith. Es war damals durchaus üblich, Kinder nach den Großeltern zu benennen. Beim Namen Vitus fällt mir der Schutzheilige der Pfarrkirche im benachbarten Oedt, St. Vitus, ein. Vielleicht kamen die Morsches’ von dort.

Auch Berber Müller muss um 1605, kurz vor der Taufbuch-Zeit, geboren sein. Für ihre Eltern gibt es auch eine Vermutung. Vitt der Müller und seine Frau Lehne bekamen 1610, 1611 und 1615 Kinder namens Arnoldus, Arnoldt und Jacob. Vitt Moelen (deutet auf geldrischen Ursprung hin, Oedt gehörte zu Geldern) war 1633 Taufpate seines Enkelsohns [?] Johannes (s. o.). Bei den Enkelkindern von Berber Müller taucht zweimal ein Arnold Müller als Pate auf.

Auch die Todesdaten sind nicht erhalten. 1670 lebte Korst noch, während er in einer Urkunde vom 9.12.1681 13 als tot erwähnt wird. Hier heißt es u. a.:
„... Berber Morsches Wittib Corsten Morsches, beyseins Merten Lührß ...“.
1680 ist Berber Moors Patin ihres Urenkels Korst Loers. Da sie wohl auf Morßhoven wohnte, nahm sie auch den Namen Morsches an, während in der Regel die Frauen ihren Geburtsnamen beibehielten. Da viele die Schrift der Urkunde von 1681 wohl nicht ohne weiteres lesen können, möchte ich einen Übersetzungsversuch geben:
„Wir Scheffen zu Kempen thun kundt, zeugen und bekennen mit diesem offenen Brief und ahnhangendem unserem Gemeinem Ambs Siegell, daß vor unß kommen und erschienen, mit freyem Willen und gutem Vorrath Berber Morsches Wittib Corsten Morsches, Beyseins Merten Lührß, ihres Eythumben und deßen Sohn Lintzen Lürß, haben also erscheinendt für sich und ihre Erben, erblich verkauft, thun auch solches hirmit und in kraft dieser Entgen Klefckes Wittiben Viten Klefkes seelig und dero erben, daß in großer Honschaft zwischen weyer und Huises Höfen gelegenes Klefkes erbgen mit seinen ahngehörigen gehüchteren, länderey, Büsch, gemeinden, fort ahn Schüßen, wie selbiges in seinen pöhlen gelegen, beschwert jährlichs mit seinen Erbgrundt und nachbahrlichen Lastensonsten frey und unbeschwert, für eine bescheidene wollbezahlte sum geldts, derowegen haben Verkäufers für sich, und ihre Erben, ihr Käufer und dero Erben alsolches Klefkes erbgen, mit Hand, Halm und mundt, mit gewöhnlichem verzig und außgang nach diesem Landrechten transportirt und aufgetragen, auch globt davon vollkommene Erbwehrschaft zu leisten, und verzigen zu thun so mit recht darauf zu verzigen haben ohne Arglist.
Geschehen Kempen im Jahr Christi tausendt, sechs hundert achtzig Ein, den Neunten tag Monaths Decembris Henrich toll Henrich Bisters, Schefen“
III)
Die Morsches in Kempen
Von den Kindern des Korst Morsches finde ich nur die Tochter Judith, auch Jutta genannt, in späteren Urkunden erwähnt. Sie heiratete am 9.6.1654 im Alter von nur 16 Jahren den Merten Loerß (auch Luers genannt), der am 12.9.1633 als Sohn des Lens Loers14 und seiner Frau Behl (= Sybilla) in Kempen geboren wurde. Merten wird in der aufgeführten Urkunde von 1681 als Schwiegersohn des Korst Morsches bezeichnet. Seine Anwesenheit bei dieser Urkunde lässt darauf schließen, dass er als Erbe von Korsts Witwe Berber vorgesehen war. Merten und Jutta kaufen 1661, 1665 und 1666 Land.15
Merten und Jutta hatten folgende Kinder:

10.08.1655
Lens (= Laurenz),
23.11.1657
Gertrud,
04.07.1660
Antonius,
28.01.1663
Joannes,
04.10.1665
Antonius (vielleicht war der Bruder Antonius schon tot),
07.10.1668
Beell (= Sybille)

Merten war 1679 Trauzeuge seines Sohnes Laurenz Loers.

Interessant ist, dass wir Morsches eigentlich Loers heißen müssten. Die Gründe, weshalb sich im Folgenden der Nachname der Mutter durchsetzte, werden noch erörtert. Laurenz, der älteste Sohn von Jutta Morsches und Merten Loers, änderte um 1684 seinen Nachnamen. Anschließend findet man nur noch Laurenz Morsches. Er hatte am 22.6.1679 Dreutgen (= Gertrud) Harnisch (auch Harnaß) geheiratet.

Von ihr hatte er neun Kinder:

25.08.1680
Korst Loers, später Morsches genannt; unser Urahn,
26.01.1683
Anna Catharina Loers,
11.02.1685
Jetgen Morsches,16
20.07.1687
Girtrud Morsches,
13.11.1688
Berber Morsches,
12.02.1690
Anthonius Morsches,17
26.08.1691
Anna Berber Morsches,18
19.04.1693
Johann Arnold Morsches,
23.05.1694
Peter Albert Morsches.19

Von seiner zweiten Frau Irme hatte Lens Morsches noch ein weiteres Kind Freißkus (* 16.5.1696). Laurenz Morsches starb am 1.9.1724.

Und nun zur Frage: Warum änderte Laurenz Loers um 1684 seinen Namen in „Morsches“? Das kann mehrere Gründe haben. Einmal ist es möglich, dass er Pächter des Morscheshofs war oder damals gerade wurde. Zum Zweiten war es in der damaligen Zeit durchaus nicht ungewöhnlich, dass man den Namen der Mutter annahm. Vielleicht hat auch der Tod von Berber Müller, der Mutter seiner Mutter Jutta Morsches, eine Auswirkung auf die Namensänderung gehabt.

Korst (= Christian) Loers, der 1680 geborene Sohn von Laurenz, wird in späteren Urkunden nur noch Korst Morsches genannt. Nach 1700 hatte übrigens der Name Morsches alle anderen Versionen (wie Morß, Morßes, Morßis usw.) überlebt. Korst Morsches heiratete am 30.9.1708 in Kempen die Adelheid Schmabers (*5.12.1683 als Tochter des Schöffen Peter Schmabers) vom benachbarten Schmabershof.

Aus dieser Ehe stammen elf Kinder:

03.01.1709
Johann Gottfried
25.06.1710
Magdalena
02.08.1712
Alexander Emanuel
18.12.1714
Petrus
04.03.1717
Anna Gertrud
16.04.1719
Laurenz
30.06.1720
Peter Gottfried
 
 
(Urahn heutiger Morsches’)
10.05.1722
Sybilla Christina
18.01.1725
Laurenz Johann
26.02.1726
Maria Magdalena
13.05.1727
Michael Laurenz

Korst Morsches wurde am 8.1.1711 in das Bürgerbuch der Stadt Kempen eingetragen. Man kann daraus schließen, dass er kurz zuvor in die Stadt gezogen ist, während sein Vater Laurenz Loers, sein Großvater Merten Loers und sein Urgroßvater Korst Morsches außerhalb der Stadtmauern gewohnt hatten, da diese alle nicht Bürger der Stadt Kempen geworden waren.

Am 15.6.1718 kauften die Eheleute Cörsten Morschus und Aletgen Schmabers das sog. Leoniusen-Haus im Zentrum von Kempen.20 Die Stelle, an der das Haus gestanden hat, ist so genau beschrieben, dass sie zweifelsfrei auf einer Stadtkarte eingezeichnet werden kann. Heute findet man dort unter der Adresse „Markt 7“ eine Apotheke. Sie hat einen quadratischen Grundriss und ist gelb verputzt. Fenster und Türen sind braun abgesetzt. Auffällig sind der schmiedeeiserne Löwe über dem Eingang und die alte Straßenlaterne an der Hausecke. Adelheid Schmabers starb am 30.4.1733. Christians zweite Frau Adelheid Max bekam am 23.4.1735 noch eine Tochter Adelheid, ehe er am 29.6.1735 starb. Zum Beruf Christians: Es ist nicht auszuschließen, dass er eine Marktbäckerei gehabt hat und wie Kinder und Enkelkinder Bäcker war.

Später lebte von den Kindern des Christian Morsches Alexander Emanuel in Kempen. Er heiratete Anna Sophia Schmitz und bekam von ihr ab 1738 viele Kinder. Der am 7.9.1742 geborene Petrus Theodor Ilbert Morsches immatrikulierte 1761 an der Universität zu Köln, vom Gymnasium Laurentianum kommend.21 Am 19.7.1791 starb er als Rektor von St. Hubert, einem Kloster, 3 km von Kempen entfernt. Auch Johann Heinrich Morsches, Christians am 3.2.1748 geborener Sohn, ging 1766 vom Gymnasium Laurentianum zur Uni Köln. Diese beiden waren die einzigen Morsches’, die vor 1800 in Köln studiert haben.

Für 1751 ist ein Bäckermeister Martin Morsches in Kempen belegt.22 Er war wohl ein Neffe von Christian Morsches und der Sohn von Michael Steves, genannt Morsches, und der Anna Barbara Morsches.

Es folgt der Kaufbrief vom 15.6.1718:23

„Wir Scheffen zu Kempen thuen kundt zeugen undt bekennen mit diesem offenen Brief und anhängendem unserem gemeinen bothenambts Siegell, daß vor uns kommen und erscheinen mit freyem Willen und gutem vorgehabten Rath der wolehrwürdig und wolgelehrte Herr Joseph Stephanus Stevens, hiesiger Pfarkirchen Vicarius und Concionator, nahmens und als bevolmächtiger der Frawen Wittiben Scheutts, wesfals derhalb die Vollmacht sub dato Cöllen, den Siebendten laufenden Monaths juny vorgezeigt und ad prothocollum hinterlassen, hat also erscheinend nahmens besagter Frawen Wittiben, und dero Erben in einem stetem, vastem und unwiderruflichem Erbkauf, erblich verkauft, thuet auch solches hiermit und Kraft dieser, dem Cörsten Morschus Aledtgen Schmabers Eheleuth und dero Erben, das dahier aufm Marckt gegen das Rathhaus auf der Ellen Straßen Kante, neben und zwischen Erbgen. Henrichen Scherers und Peteren Funck Häuseren ligendes, sogenandtes Leoniusen-Haus mit der dazu gehörigen Scheuren, Schupf und Stallung, Ap- und Dependentien, beschwärt jährlichs mit fünf Thaler ahn die Hl. P. P. Regularen binnen Cöllen, ahn hiesiges Hospitale ebenfals mit fünf Thaler und viertzig Kempische alb [= Albus], so dan ahn hiesige Stadt mit drey Thlr. forth nachbahrlichen Lasten, sonsten allerdings frey und unbeschwärt, für eine bescheidene bahr bezahlte Summe Gelts. Derowegen hat Er Verhändler Herr Mandatarius nahmens seiner obg[emelt]Er Frawen Constituentin und dero Erben, besagten Kauffern und dero Erben alsolches Haus mit Hand, Halm und Mund mit gewöhnlichem Verzigs und Ausgang. Nach diesen Landrechten transportirt und aufgetragen, auch anglobt und versprochen davon vollkommene Erbwirthschaft zu leisten, und Verzichen zu Thun, so mit Recht darauf zu Verzich haben, ohne Arglist, jedermänniglichem sein gutes Vorrecht vorbehalten. So geschehen, Kempen, im Jahr Ein Tausend siebenhundert und achtzehn, den fünfzehnten Juny.

Peter Enker(?)    Gerard Dunck     Scheffen
IV)
Die Morsches in Neuß
Erstmalig taucht in Neußer Kirchenbüchern der Name „Morsches“ am 20.9.1756 auf, als mein Urururgroßvater Johann Jakob Morsches geboren wurde.

Die Neußer Kirchenbücher geben keine Auskunft darüber, wo Jakobs Vater Peter Gottfried herstammte. Nach erfolglosem Suchen in allen erhaltenen Kirchenbüchern der Umgebung fuhr ich – ohne große Hoffnung – zum Stadtarchiv Neuß. Hier wurde ich mit einer Kartei der Neußer Familien vor 1800 überrascht, in der ich nur drei Karteikarten unter „Morsches“ herausziehen musste und gleich um vieles schlauer war.
„Petrus Godefridus Moersches, Kempensis, [Sohn] von Christian Moersches u. Adelheid Schmabers, Eheleuten von Kempen. Verheiratet an Christina Holthausen, hier bürtig, ein Bäckermeister. [Er heiratete] bürgerlich: 1745 März 4.“

So lautete der untere Teil von einer der drei Karteikarten. Damit wusste ich, wo ich weiterzusuchen hatte, und es war verhältnismäßig einfach, in Kempener Kirchenbüchern und anderen Urkunden die Fakten über die Morsches zu finden, die ich in den ersten beiden Teilen der Morsches-Story zusammengetragen habe.

Peter Gottfried Morsches war also Bäckermeister. Die Karteikarte gibt noch weitere Hinweise auf seinen Beruf, die aus alten Steuerunterlagen entnommen wurden: „Bäckeramt: 1748 – 1780; Brauamt: 1758 – 1780; Wacholder: 1775 – 1780; Wein Akzise: 1758“. Wie viele Bäcker der damaligen Zeit war Gottfried Morsches auch Wirt, zumindest ab 1758. Selbstverständlich braute er sein Bier selbst. Der Wein war vielleicht nicht süß genug, so dass Peter Gottfried nur für 1758 (probeweise) Wein angebaut hatte. Ab 1775 brannte er auch Gin (aus Wacholder).

Am 9. September 1781 starb Peter Godefridus Morches im Alter von 64 Jahren in Neuß, nachdem er seine Bäckerei im Vorjahr ganz seinem Sohn Johann Jakob überlassen hatte.

Die Rückseite der bereits zitierten Karteikarte nennt alle sechs Kinder von Gottfried Morsches und Christina Holthausen:

1)
05.09.1746
Joann Petrus Michael
2)
10.09.1748
Anna Margaretha
3)
17.12.1750
Christianus
4)
25.01.1754
Anna Catharina Margaretha
5)
23.09.1756
Joann Jacob
6)
11.06.1761
Joann Reinerus

Reinerus Morsches starb 1781. Catharina Margaretha Morsches heiratete Gerhard Elfges und starb kurz nach der Geburt ihrer einzigen Tochter Maria Gertrud 1788 im Alter von 36 Jahren. Die drei ältesten Kinder Gottfrieds tauchen in den Neußer Kirchenbüchern nicht auf, auch nicht als Paten. Sie waren wohl schon vor 1756 verstorben, als die Morsches’ noch in der Nähe von Neuß (warum eigentlich nicht in Üdesheim?) wohnten. Eine Verwandtschaft zum am 15.5.1787 zu Neuß verstorbenen Nicolaus Morsches (52 Jahre alt) ist nicht nachzuweisen.

Jakob dürfte als einziger unter den Söhnen Gottfrieds den Namen „Morsches“ weitervererbt haben – und das recht eifrig. Er heiratete am 21.3.1778 (bürgerlich am 15.5.1778) Maria Margaretha Josten, die am 21.3.1756 als Tochter von Joes Peter Joesten und Anna Gores zu Neuß geboren wurde und am 20.7.1794 starb.

Von ihr stammen die ersten acht Kinder Jakobs:

1)
21.12.1778
Catharina Margaretha. Sie heiratete 1806 Johann Wilhelm Theodor Brußeler.
2)
18.07.1780
Johann Wilhelm. Er heiratete 1802 als Bäcker die Maria Barbara Gabriel und bekam 1804 eine Tochter Maria Christina Cornelia Morsches. 1806 wird sein Beruf mit „Kaufmann“ angegeben. Er muss dann auch von Neuß weggezogen sein. Ob heute noch Nachkommen von ihm den Namen Morsches tragen, weiß ich nicht.
3)
10.05.1782
Anna Gertrud
4)
26.02.1784
Maria Catharina Elisabeth
5)
22.12.1785
Anna Margaretha
6)
05.04.1787
Peter Matthias
7)
05.11.1788
Johann Peter, mein Urgroßvater (s. h.)
8)
12.04.1790
Johann Jakob Theodor

Nach dem Tod seiner ersten Frau Maria Margaretha heiratete Jakob Morsches am 1.11.1795 wieder: Maria Gertrud Zelt, die um 1765 als Tochter von Jakob Zelt und Eva Keyll geboren wurde, nach Jakobs Tod wieder heiratete (den Gerwin Flieges) und 1829 in Neuß starb.

Aus Jakobs zweiter Ehe mit Maria Gertrud Zelt stammen noch sieben weitere Kinder:

9)
17.08.1796
Anna Christina Margaretha
10)
07.10.1797
Johann Peter Michael Morsches
11)
ca. 1798/99
Johann Adolph (im Jahr 7 der neuen französischen Zeitrechnung). Er starb 1799, 5 Monate alt.
12)
im Jahr 9
Johann Gottfried. Er starb 1801, 5 Monate alt.
13)
im Jahr 10
Johann Melchior
14)
im Jahr 11
Anna Maria Josepha. Sie starb 1803, 2 Monate alt.
15)
im Jahr 12
Maria Christina Josepha

Jakob Morsches wird in den Standesamtsunterlagen (1799-1807) meist als Bäcker (boulanger) bezeichnet. Nur einmal, bei der Geburt Melchiors 1801/02, ist er Schnapsbrenner („fabricant de léau de vie“, wörtlich übersetzt: „Hersteller von Lebenswasser“). Jakob Morsches starb am 9.7.1804. 58 Jahre später, 1862 beim Tod seines Sohnes Peter, wird sein Beruf mit „Wirth“ angegeben. In Wißplinghoffs großem Werk über die Geschichte der Stadt Neuß heißt es: „1787 betätigte sich der größte Bäcker Jakob Morsches sowohl als Brauer wie als Branntweinbrenner“.24 Ab 1780, so liest man auf seiner Karteikarte, war er Brauer und Bäcker, ab 1789 zahlte er Steuern für „Wacholder“.

Jakob unterschrieb mit Jacobus Morsches oder auch Jacobus Moersches. An Unterschriften seiner Kinder liegen vor: W. Moersches (Wilhelm), und C. M. Mörsches (Catharina Margaretha). Das „o“ in Morsches muss ursprünglich lang ausgesprochen worden sein. Ein „e“ als Dehnlaut war in der Gegend damals durchaus gebräuchlich. Außer in den Unterschriften kommt in den Urkunden nur „Morsches“ vor, also ohne den Dehnlaut „e“.

Nach Jakobs Tod, oder genauer gesagt, nach dem Tod seiner Mutter Christina Holthausen im Jahr 1807 begannen Jahre des Wanderns für die Familie Morsches. Nur Jakobs zweite Frau Gertrud Zelt stirbt 1829 in Neuß, nachdem sie wieder geheiratet hatte. Vielleicht hat der Wegzug von Neuß mit der damaligen französischen Besatzung zu tun gehabt. Von den vierzehn Geschwistern Peters sind nur drei in Neuß gestorben und das im Babyalter. Was aus den andern elf geworden ist, kann ich nicht sagen. Möglicherweise haben sie den Namen gewechselt. Vielleicht heißen ihre Nachkommen heute „Nüsser“ (= „die aus Neuß Kommenden“) oder ganz anders. Vielleicht gibt es keine Nachkommen oder sie leben noch irgendwo.

V)
Die Morsches in Oedt und in Düsseldorf

Johann Peter Morsches taucht 1818 wieder in Urkunden auf, nachdem er wohl zehn Jahre auf der Wanderschaft gewesen war, um ein Handwerk zu erlernen. Er heiratet am 8.8.1818 in Oedt (bis 1993: 4155 Grefrath 2) mit der Berufsbezeichnung „Gerber“. Später nennt er sich auch einmal „Rotgerber“. Er hat also mit Eichenlohe gegerbt.

Wahrscheinlich kam er nur zufällig nach Oedt, wo möglicherweise zweihundert Jahre zuvor seine Ururururgroßmutter Berber Müller an der Oedter Mühle aufwuchs, ehe sie 1628 Korst Morsches heiratete. Dieses Oedt ist auch nur etwa zwei Kilometer vom Morscheshof bei Kempen entfernt, auf dem im 17. Jahrhundert Peters Vorfahren gewohnt hatten.

Peter Morsches heiratete 1818 Anna Gertrud Claßen, die am 16.9.1796 in Vorst (bis 1993: 4154 Tönisvorst 2) geboren worden war, als Tochter von Peter Joan Claßen und Theresia Meer. Die Morsches wohnten dann in Oedt in der Oedter Straße 106. Dort bekamen sie ihre ersten drei Kinder:

1)
Gertrude Antonette Hubertina Morsches (*1819)
2)
Johann Jakob Wilhelm Hubert Morsches (*14.9.1821); er wohnte 1862 beim Tod des Vaters in Crefeld und war Bäcker und Wirth. Er ist 1868 nach Amerika ausgewandert und als „William Morsches“ der Stammvater der Morsches-Linien in Amerika, über die in einem gesonderten Kapitel berichtet werden soll.
3)
Peter Anton Theodor Hubert Morsches (*1823). Er heiratete am 2.9.1858 Maria Christina Kempen (* ca. 1832) und war Hauderer (Fuhrunternehmer) von Beruf. Drei Kinder von ihm starben im Säuglingsalter: Franz Anton Adrian Morsches (*1864, +1864), Anton Theodor Hubert Morsches (*1865, +1865) und Elise Hubertine Morsches (*1867, +1868). 1864/65 wohnten diese Morsches’ in Crefeld, Hochstr. 13, und 1867/68 in Crefeld, Dreikönigenstraße 18. 1923 lebten noch zwei Kinder Antons:
„Gertrud, named Traudchen, she is old and ill, and Carl. ... Carl has 3 children, the boy is Tony ..”.25

Zwei weitere Kinder wurden in Düsseldorf geboren:

4)
Franz Joseph Morsches (*13.9.1826), mein Urgroßvater (s. hinten).
5)
Margarethe Theresa Huberte Morsches (*20.4.1829). Sie heiratete am 20.9.1852 in Crefeld Julius Bergmann. 1923 lebten von ihnen noch vier Kinder, von denen nur Maria Kinder hatte, nämlich einen Jungen und ein Mädchen.26

Kurz nach dem Umzug nach Crefeld starb am 27.7.1831 Peters Frau Gertrud Claßen in ihrer Wohnung, Crefeld Nr. 175. Wie der Standesbeamte berichtet, war sie „schreibens unerfahren“ gewesen.

In einem Brief vom 20.1.1982 schreibt unser Verwandter in Amerika, Paul Morsches, dass es auch eine Gertrude Morsches gegeben habe, die in Amerika 1874 gestorben sei. Sie müsse 1833 in Deutschland geboren sein und sei wohl eine Schwester seines Großvaters William gewesen. Aber um diese Zeit konnte Peter Morsches keine ehelichen Kinder mehr bekommen haben, da er bei seinem Tode 1862 als Witwer der 1831 verstorbenen Gertrud Claßen bezeichnet wird. Wenn die Jahreszahl stimmt, dann kann es sich um eine Cousine Williams gehandelt haben, deren Familie schon früher nach Amerika ausgewandert war und auf deren Einladung vielleicht William in die USA zog. Stimmt die Jahreszahl nicht, so kann es möglicherweise die 1819 geborene Schwester Williams, Gertrude Antonette Hubertina Morsches gewesen sein, die wohl unverheiratet blieb und deren Sterbeurkunde ich hier nicht finden konnte. Natürlich sind auch andere Vermutungen möglich.

Interessant ist, dass vier der fünf Kinder Peters den Beinamen Hubert, Hubertina bzw. Huberte führten. Auch in den späteren Generationen gibt es kaum ein Familienmitglied, das diesen Beinamen nicht getragen hat. Warum? Bei Hubertus denkt man unwillkürlich an die Jagd. Hatte eine Hubertus-Schützenbruderschaft etwas damit zu tun? Oder vielleicht das Kloster St. Hubert ganz in der Nähe? Mein Onkel Karl Morsches wusste zu berichten, dass dieser Beiname vor Hundebissen schützen sollte. Aber leider hatte diese Volksmundweisheit bei ihm nichts genützt, wie eine Bissnarbe am Bein unschwer bewies. Es ging eigentlich um den heiligen Hubert, der die Menschen vor der Tollwut bewahren sollte.

Peter Morsches starb am 3.7.1862 in Crefeld in seiner Wohnung, Fischelner Straße 13, 73 Jahre alt. Er hatte als erster unserer Familie mit Leder zu tun und begründete damit eine große Familientradition; die über seinen Sohn, den Sattler Franz Morsches, seine Enkel Peter Morsches (Peter Morsches und Söhne, AG, Lederhandlung) und Wilhelm Morsches (Schuhfabrik Morsches), sowie über seinen Urenkel Ernst Morsches (Ledergroßhandlung Ernst Morsches) von meinem Bruder Rolf Morsches bis 1975 weitergeführt wurde.

Der verstorbene Kempener Kreisarchivdirektor Walther Föhl hat in seinem Aufsatz „Die Herren von Morshoven“ (Heimatkalender Erkelenz 1966, S. 39-51) viel Interessantes über diese Sippe zusammengetragen. Hier sind auch sechs der neun verschiedenen Siegel abgebildet, die von Adam (II.) von Morshoven überliefert sind.
Über diesen Hof, seine Lehnsmänner und Besitzer schrieb Walther Föhl im Niederrheinischen Jahrbuch 4 (1959), S. 38-72, 35 Seiten unter dem Titel „Rittersitz Morshoven – der Hof Morsches im Kempener Land“.
Personenstandsarchiv NRW, Brühl; Kopien im Kreisarchiv Kempen (KrAK).
Topographische Karte (1 : 25000), Nr. 4604 „Kempen“.
Auch über die Besitzer dieses Schmalbroicher Hofs Morshoven hat Walther Föhl Informationen gesammelt: „Hof Schmalbroich der Herren von Schmalbroich in der Honschaft Schmalbroich“ im Heimatbuch 1966 des Landkreises Kempen-Krefeld, S. 252-260, und „Hof Schmalbroich II.“ im Heimatbuch 1967 des Landkreises Kempen-Krefeld, S. 218-228.
StAK, Urk. Nr. 661a.
auch: StAK, Kopie (zur Karte von 1659) des Geometers Hild von 1827.
KrAK, Archiv Pelden-Cloudt, vorläufige Archivierung: Akten 26
Tranchotkarte Nr. 35, Kempen
StAK, Mutterrollen 1628 bzw. 1639.
wie Anm. 8.
wie Anm. 3; im KrAK gibt es auch ein alphabetisches Register.
StAK, Urk. Nr. 1445
Lengs Loers wurde 1701 Bürger zu Kempen; s. auch StAK, Urk. Nr. 721b und 750.
StAK, Urk. Nr. 1032, 1193 und 1218.
Bei ihrer Geburt hieß der Vater bereits Morsches. Sie bekam 1706 einen illegitimen Sohn Martin und heiratete 1707 Jacob Streithoven.
Er heiratete 1713 Anna Gerdrud Fenges (+ 1728), hatte mit ihr sieben Kinder, war 1733 und 1738 Bürgermeister von Kempen und starb am 30.6.1740.
Sie heiratete 1716 Michael Steves (dann Morsches genannt; + 1752), gebar 10 Kinder und starb 1751.
Seine Ehefrau Sybilla bekam 1717 eine Tochter Christina.
StAK, Urk. 1466f; abgedruckt als Abb. ? und übersetzt auf transkribiert auf S. 11? dieses Aufsatzes.
Matrikel der Uni Köln, VII, 1559-1797, Register.
G. Terwelp, Die Stadt Kempen im Rheinlande, Kempen 1894/1914/1923, S. 220.
übersetzt von Max Morsches am 15.1.1982. Verbessert wurde nur die Groß- bzw. Kleinschreibung, sowie ggf. „ß“ und „s“ vertauscht.
Wißplinghoff, Geschichte der Stadt Neuß, 1974, S. 452, Anm. 329.
Handschriftlicher Brief von der Schwester meines Großvaters, Sophie Morsches, Crefeld, Febr. 27. 1923, von Beckerathstr. 12, an ihre Cousine Mabel in Amerika.
Bereits zitierter Brief vom 27.2.1923 von Sophie Morsches an Mabel.

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