Herbert Stahl schrieb Dreiakter „op platt"

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„En Danzschull en de Lierbich” erfunden
Ein neues Stück aus alter Zeit
Herbert Stahl schrieb Dreiakter „op platt"

Von unserer Redakteurin
Barbara A. Cepielik
Bergisch Gladbach — Julchen und Jettchen, Dures und Drickes, Bestevader und Bestemoder —alle, die in einem bergischen Theaterstück dazugehören, sind dabei. Und sie freien und tanzen, schängen und sind auch Schabau nicht abgeneigt. Das ganze geschieht in „En Danzschull en de Lierbich", einem „volkskundlichen Theaterstück" von Herbert Stahl.
Der Bergisch Gladbacher — vielen bekannt aus der Gruppe „Am Strungerbaach" und von der Aufführung „Us ahler Bergischer Zick'" — griff selbst zum Griffel, weil, wie er meinte, es viel zu wenig Theaterstücke in Mundart gibt, und weil ihm das Brauchtum, die Menschen im Bergischen am Herzen liegen.
Herbert Stahl hatte Quellen zur Genüge. Als eifriger Sammler von allem, was mit Leben und Arbeit im bergischen zu tun hat, verfügt er auch über eine umfangreiche Bibliothek mit gedruckten Schätzchen aus dem Bergischen.
Der „Bergische Kalender", von dem er alle Jahrgänge komplett besitzt, war eine seiner Quellen. Und dann ging es los. Er arbeitete einen Einakter von einem nicht bekannten Burscheider ein in sein „volkskundliches Stück".
Die Geschichte ist nicht kompliziert: Es geht um einen feuchtfröhlichen Tanzabend, bei dem auch ein Gendarm einschreitet, durch Schabau aber auch wieder ausgeschaltet wird. In die Handlung eingeflochten hat Stahl nicht nur alte Brauchtumslieder, sondern auch ein Gedicht von August Kierpsel, dem Heimatdichter, den er sehr verehrt: „De Maiboom".
Genauso wichtig wie die Handlung. ist Stahl die Darstellung alter Gewohnheiten und Bräuche. Und so erfährt der Betrachter des Stückes ganz nebenbei vieles aus dem Leben in den 20er Jahren.
In dieser Zeit spielt das Stück, in dem Stahl sich ganz bewußt an der Sprache Kierspels orientiert hat. Es ging ihm um heile Welt, um eine Geschichte auf der Bühne, die bei den Zuschauern im Theater Erinnerungen weckt an frühere Zeiten.
Stahl, der die „Danzschull" geschrieben hat, weil es wenige bergische Stücke gibt, oder weil aus anderen Mundarten übersetzte Texte nicht „den Punkt treffen", würde sich freuen, wenn sich eine Gruppe fände, die Lust an einer Aufführung hätte. „Da würde ich, so verspricht er, „mit Rat und Tat zur Seite stehen."
Kleine Hilfe im Anhang
Wer den Text nur liest (und nicht hört), und wer nicht mit dem Bergischen vertraut ist, der findet im Anhang eine kleine Hilfe. Dort sind im Register die wichtigsten Mundartwörter ins „Hochdeutsche übersetzt". Denn so schnell kommt man nicht darauf, daß „wäwaijen" „warum" heißt.
Das broschierte Büchlein, das mit der finanziellen Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland und dr Paffrather Raiffeisenbank gedruckt wurde, wird am Mittwoch, 2. Dezember, 19.30 Uhr, in der Paffrather Raiffeisenbank in der Hauptstraße in Bergisch Gladbach vorgestellt.
Herbst Stahl liest ein paar Szenen, Nobert Wielpütz untermalt das ganze musikalisch mit dem Akkordeon.

Quelle: 
KStA-19841208 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe erteilt für BGV durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 13. Oktober 2009