Ein stein-reiches Herrschergeschlecht

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Ein stein-reiches Herrschergeschlecht

Axel Kolodziej, Direktor des Bergischen Museums Schloss Burg an der Wupper, spricht über die Bedeutung, die die Grafen von Berg für die Region zwischen Wupper und Dhünn hatten
Herr Kolodziej, was ist die größte Leistung der Grafen von Berg?
AXEL KOLODZIEJ: Darüber kann man sicherlich streiten. In jedem Fall haben sie als Namensgeber das Bergische Land, das wir heute kennen, möglich gemacht. Das ist zwar keine direkte Leistung, sondern hat sich so entwickelt, aber ohne die Grafen hätte es das Bergische so nicht gegeben.
Was wollen Sie mit der Ausstellung „ Familienbande" erreichen?
KOLODZIEJ: Wir wollten verdeutlichen, dass es ohne das Herrschergeschlecht mit seiner klugen Familienpolitik vieles nicht gegeben hätte. So wurde das Bergische Land erst unter der Führung der Grafen von Berg dichter besiedelt. Damals verkörperte der Graf das Land. Wo er sich aufhielt, dort war auch die Grafschaft. Das änderte sich während der Hochmittelalters langsam. Es entstanden erste Verwaltungsstrukturen, es wurden Statthalter eingeführt, die die Geschäfte auch während der Abwesenheit des Herrschers weiterführten, so wie der Voigt oder der Meier.
Was war das Besondere am Bergischen?
KOLODZIEJ: Niemand weiß, woher die Grafen von Berg im 11. Jahrhundert plötzlich kamen. Sie gaben der Region den Namen, indem ihre Burg Berge ihrem Geschlecht und dem daraufhin entstehenden Land den Namen gab. Das war neu. Es verkörpert das sich wandelnde Verständnis und den sich verändernden Horizont der neuen Herrscher.
Die Reduzierung auf einen begrenzten Raum, dessen Zentrum meist die namensgebende Burg, in unserem Fall Burg Borge in Altenberg, war, ermöglichte dem Adel eine Intensivierung der Herrschaft. Das hatte Auswirkungen auf die politischen und sozialen Entwicklungen der Zeit.
Warum gab man Burg Berge auf?
KOLODZIEJ: Man arbeitete damals mit Symbolen. Die Ansiedlung der Zisterzienser in Altenberg war ein solches. Die Mönche beteten für das Wohl der Herrscher von Berg, das verdeutlichte ihre Macht und ihren Einfluss. Zum anderen demonstrierten die Berger mit dem Bau von Schloss Burg, der zweiten Burg Berge, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes stein-reich waren.
Was machte die Grafen von Berg noch aus?
KOLODZIEJ: Ihre geschickte Heirats- und Familienpolitik. Sie vereinten damit Bereiche, die vorher wenig miteinander zu tun hatten. In ihrem letzten Herrscher Graf Engelbert II. wird das besonders deutlich: Er war zugleich der einflussreiche Erzbischof von Köln, Provisor und Gubernator des Reiches und Herrscher über die Grafschaft Berg. Engelbert II. war an der Erziehung des Prinzen Heinrich, des Sohnes von Kaiser Friedrich II., beteiligt. Das sicherte ihm auch dort viel Einfluss, er krönte 1222 Heinrich in Aachen. So viel Macht rief Neider auf den Plan. Am 7. November 1225 wurde Engelbert II. in einem Hohlweg bei Gevelsberg erschlagen. Mit ihm endete die Herrschaft der Grafen von Berg.
Das Gespräch führte Daniela Fobbe-Klemm

Axel Kolodziej ist Geschäftsführer  des Schlossbauvereins von Schloss Burg. Zurzeit läuft dort eine Ausstellung über die Grafen von Berg BILD:ARLINGHAUS

Zur Person
Axel Kolodziej ist seit dem 1. Januar 2010 Geschäftsführer des Burger Schlossbauvereins in Solingen. 2007 bekam der promovierte Historiker den Förderpreis des Düsseldorfer Heimatvereins für seine Arbeit über Herzog Wilhelm I. von Berg (1380-1408). Die Grafen von Berg haben den gebürtigen Remscheider schon früh fasziniert, seine Dissertation an der Universität Bonn schrieb er ebenfalls über das Adelsgeschlecht. Auch in Schloss Burg kennt Axel Kolodziej sich aus. Bereits während seines Studiums arbeitete er als Volontär und Assistent in Solingen. (dfk)

„Familienbande"
Die Ausstellung „Familienbande - Die Grafen von Berg 11011225" ist bis 24. Oktober im Bergischen Museum Schloss Burg an der Wupper, Schlossplatz 2 in Solingen, zu sehen: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, montags von 13 bis 18 Uhr 0212/24 226-26. Was nach der Ermordung von Graf Engelbert geschah, ist Thema der Ausstellung „AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen" (bis 28. November) im LWL-Museum für Archäologie in Herne, mit dem Schloss Burg kooperiert.
www.schlossburg.de www.lwl-landesmuseum-herne.de

Quelle: 
KStA-20100616-s38-2 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011