Ein Mahnmal für Leid und Gefangenschaft

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Zur Erinnerung an die Bergisch Gladbacher Opfer des Naziterrors: aus Stacheldraht ein Zeichen des Kreuzes
Ein Mahnmal für Leid und Gefangenschaft
Künstlerin Heide Dobberkau gestaltet ein Werk für die Stadt

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Bergisch Gladbach — Weltweit besitzt sie einen Ruf als Künstlerin, genauer: als Bildhauerin. In der Stadt aber, in der sie seit vielen Jahren lebt und arbeitet, gab es bisher kein einziges Werk von ihrer Hand. Das wird sich ändern. Heide Dobberkau soll im Auftrag der Stadt eine Bronzetafel gestalten, die an die Opfer und Leiden von Männern und Frauen während der Zeit der Naziherrschaft erinnert und als Pendant zur jetzigen Schrifttafel am Gedenkstein in der Anlage an der Villa Zanders befestigt wird.
Einhellige Zustimmung
Anläßlich des 40. Jahrestages zum Gedenken an das Ende des Krieges und der Naziherrschaft in Deutschland hatte der Rat beschlossen, ein mahnendes Zeichen zu setzen. Im Ältestenrat fand der Vorschlag der Künstlerin einhellige Zustimmung. Ihr Entwurf wird im Zusammenhang mit ihren Vorschlägen zur Gestaltung der Platzumgebung noch besprochen.
Was Vertreter der Fraktionen und der Verwaltung an Dobberkaus Entwurf so faszinierte, war die künstlerisch so verständlich wie eindrucksvoll gestaltete Formulierung des gestellten Themas. Es kam der Bildhauerin darauf an, die Anonymität zu wahren, um möglichst alle Betroffenenen einzubeziehen. Die Jahreszahlen 1933 bis 1945 sollten als tief eingeprägte Spuren die Zeit des NS-Regimes bedeuten. Darüber gespannt aus Stacheldraht das Zeichen des Kreuzes als Symbol für Leiden und politische Gefangenschaft. Das Stadtwappen am unteren „Kreuzbalken" steht für das Geschehen jener Zeit in Bergisch Gladbach und auf der Schriftplatte unten rechts soll eingeschrieben werden: Gedenke der Opfer jener Jahre in unserer Stadt. Auf der verkleinerten Plakette für Bürger ist dieser Raum freigelassen für die Prägung des betreffenden Namens.
Die Künstlerin Heide Dobberkau war an der Hamburger Kunstakademie Schülerin bei Prof. Edwin Sharff, einem großen Bildhauer. Über 20 Jahre lebt und schafft sie in RefrathLustheide in der Zurückgezogenheit ihres Atelierhauses. Wohnung und Werkstatt sind bevölkert von Tieren, in Bronze versteht sich, und Tiergruppen.
Das Tier ist das große Thema der Künstlerin, ihm hat sie ein bleibendes Denkmal gesetzt in einer Zeit, da auch die Tierwelt immer stärker gefährdet ist. Heide Dobberkau steht hier in einer großen bildnerischen Tradition: Auch zwischen Realismus und Abstraktion ist das Tierbild nicht überholt. Heide Dobberkaus Beitrag dazu ist, wie sich unschwer an ihren Werken, an Ausstellungen und Aufträgen im privaten und öffentlichen Raum ablesen läßt, einer der wichtigsten und gültigsten überhaupt. Warum sollte es da nicht eigentlich zu einer Tierplastik für die Bensberger Fußgängerzone kommen, wie sie gewünscht wurde? Bisher ist da nichts erfolgt, während in Bechen ein bronzener Esel aus ihrer Werkstatt das Ortsbild bereichert. Heide Dobberkau bekennt, daß sie sehr gerne für die Fußgängerzone das Thema, vielleicht eine Tiergruppe, realisieren würde. In Afrika zeigte sie ihre Werke, wo sie die Tierwelt der Etoschapfanne faszinierte.
Vieles von dem dort Geschauten hat inzwischen Eingang in ihr bildhauerisches Werk, aber auch in ihre weit gerühmte Medaillenkunst gefunden. Ihre Kunstmedaillen mit Tierabbildungen sind auf dem jährlichen Gladbacher Kunstmarkt von terre des hommes heiß begehrte Objekte, wie auch in Kunstvereinen und bei unzähligen Sammlern in aller Welt. Sie hat viele Medaillen geschaffen, die weltweite Verbreitung gefunden haben wie die in einer tiefen Symbolik gestalteten Medaillen für die FAO (Food and Agriculture) in der UNO als Hilfe zur Nahrungsmittelversorgung der ärmsten Länder der Welt. Das Urteil der weltweiten Organisation über ihre Werke: ,,Heide Dobberkau ist eine der begabtesten Künstlerinnen unserer Zeit auf dem Gebiet der Tierabbildung. Ihre Liebe für die wilde Kraft der Tiere ist in allem, was sie schafft, zu erkennen." 1984 hat sie die Bundesrepublik auf der wichtigen Metallic Art Workshop in Pensylvania in USA repräsentiert.
Trotz großer Erfolge ist die Künstlerin in Refrath eine bescheidene Dienerin an ihrem Werk geblieben. In einem geistigen und künstlerischen Austausch in langjähriger Ateliergemeinschaft mit dem Arzt Dr. Werner Niermann. Sein künstlerisches Werk ist vor allem den Olivenbäumen in Griechenland gewidmet. Tiere und Bäume, wir ergänzen uns eben", sagen Heide Dobberkau und Werner Niermann.

DER AUFRUF ZUR VERSÖHNUNG auf der Bronzeplatte am Gedenkstein in der Anlage an der Villa Zanders zur Erinnerung an Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft soll bald ein eindrucksvolles Pendant in Form einer Bronzetafel erhalten zur Erinnerung an die Opfer unter dem NS-Regime. Der Gedenkstein soll auch in neu gestalteter Umgebung stärker ins Blickfeld gerückt werden.
Bilder: Günter Möllinghoff

EIN STACHELDRAHT IN KREUZESFORM symbolisiert in diesem Entwurf einer Bronzeplatte der einheimischen Künstlerin Heide Dobberkau Leiden und politische Gefangenschaft von Bürgern in der NS-Zeit. Die Jahreszahlen von 1933 bis 1945 bedeuten die tief eingeprä en Spuren der Zeit. Am unteren Ende steht das Wappen der Stadt für das Geschehen in Bergisch Gladbach. Das kleine Feld rechts daneben ist für Schrift gedacht.

DIE BILDHAUERIN HEIDE DOBBERKAU in ihrem Atelier in Refrath an der Arbeit. Dr. med. Werner Niermann (links) arbeitet in Ateliergemeinschaft an eigenen bildhauerischen Werken.
Bild: Albert Günther.

ALTE OLIVENBÄUME auf einer Medaille zum 40. Jahrestag der UN-Organisation FAO (Food and Agriculture)versinnbildlichen Kontinuität: Dr. Werner Niermann hat sie geschaffen.

EINE SCHAFHERDE als Symbol von ländlicher Ruhe, Frieden und Wohlstand schmückt die    Rückseite    einer    von H. Dobberkau geschaffenen Medaille für die Vereinten Nationen.

Quelle: 
KStA-19860705-nr153-rn13 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigegeben für BGV durch Kölner Stadtanzeiger mit email vom 08.12.2010