Das neue Rathaus in Bensberg

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Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen

Am 25. Juni d. J. wird als erster Bauabschnitt des neuen Rathauses der Verwaltungstrakt seiner Bestimmung übergeben. Damit erhält die Offentlichkeit, insbesondere aber die Bürgerschaft von Bensberg, ein Gebäude, das nach Gestaltung und Modernität in der Bundesrepublik seinesgleichen sucht und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus diskutiert wird.
Wenn ein Rathaus in einer kleinen Stadt im Rheinland in den Tageszeitungen und Fachzeitschriften Europas, Südamerikas, Chinas, Australiens und Neuseelands besprochen und kritisiert wird, so hat das seine Ursache darin, daß seinem Architekten, Herrn Professor Gottfried Böhm, ein großer Wurf gelungen ist. Er hat es verstanden, mit den Materialien unserer Zeit — Beton, Stahl, Glas und Holz — ein Werk zu schaffen, das im Gegensatz zu den nüchternen und langweiligen Rasterbauten üblicher Verwaltungsgebäude steht.
Rat und Verwaltung der Stadt Bensberg und ihre Bürgerschaft haben mit dem mutigen Entschluß, sich dieses ungewöhnliche Rathaus zu bauen, ihre Verantwortung gegenüber der Nachwelt bewiesen; diese wird an einem Gebäude wie dem Rathaus in Bensberg später erkennen, daß die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur durch kleinliches Zweckmäßigkeitsdenken, sondern auch von dem Willen geprägt worden ist, künstlerisch vor der Gegenwart und der Zukunft, aber auch neben den Leistungen der Vergangenheit zu bestehen.
Das allein wäre kein hinreichender Grund, um den Bau des neuen Rathauses der Stadt Bensberg in dieser Zeit, an diesem Ort und in dieser Form zu rechtfertigen. Über zwei Jahrzehnte hat die Stadt Bensberg beachtliche Leistungen auf dem Gebiete des Wohn-, Schul-, Straßen-, Kanal- und Krankenhausbaues erbracht. Vor dem Hintergrund dieser Aufgaben war an den Bau eines Rathauses vor der ersten Hälfte der sechziger Jahre nicht zu denken. Um die schlimmste Not zu mildern, hat man bisher hinnehmen müssen, daß der Rat der Stadt Bensberg und seine Ausschüsse in Gaststätten tagten und der Bürger die Verwaltung in fünf Häusern suchen mußte. Gleichwohl haben wir nie die Aufgabe aus den Augen verloren, Rat und Verwaltung geeignete Arbeitsräume zu erstellen.
Im Frühjahr 1965 erfolgte die Grundsteinlegung, und wir wissen heute alle, daß unser Vorhaben bei späterem Baubeginn durch die abgeschwächte Wirtschaftsentwicklung wahrscheinlich um Jahre zurückgeworfen, wenn nicht überhaupt in Frage gestellt worden wäre.
Der Ortsteil Bensberg war und ist der Mittelpunkt unserer stark gegliederten Stadt, und die Burg des Grafen zu Berg aus dem 12. Jahrhundert bezeichnet den Schwerpunkt unseres gesamten Gemeinwesens. Das gilt nicht nur historisch, denn am Fuße des Rathausberges kreuzen sich die Straßen, die die Bürger aller Ortsteile zum Zentrum führen und die neun Stadtteile geistig und politisch zentrieren. Der Bau des neuen Rathauses steht nicht isoliert; er ist Anfang und Teil der Innenstadtsanierung und bezeichnet sichtbar den Beginn einer neuen Entwicklungsepoche unserer Stadt. Die planerischen und zum Teil auch die finanziellen Voraussetzungen für die dringend notwendige Sanierung unserer Innenstadt wurden inzwischen geschaffen.
Die Stadt versucht in diesem Entwicklungsprozeß, der erst in einer Reihe von Jahren seinen Abschluß finden wird, den berechtigten Forderungen ihrer ständig wachsenden Bevölkerung und des 'modernen Städtebaus gerecht zu werden. Für diese Entwicklung setzt das neue Rathaus den bestimmenden Akzent.
Vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein schufen die Städte sich Rathäuser, auf die der Bürger stolz sein konnte, und so wird es auch in Bensberg mit unserem neuen Rathaus sein. Gewiß hat die kühne Planung dieses Gebäudes Bestürzung, Kritik und Auseinandersetzungen in der Bevölkerung hervorgerufen.
Aber seit dem Baubeginn beginnt sich verstärkt ein bürgerliches Selbstbewußtsein zu regen, das bürgerschaftliches Wollen und Verständnis für die Gemeinsamkeiten unseres weiten Stadtgebietes verraten. Das ist der Erfolg eines mutigen und klugen Rates, einer aufgeschlossenen Bürgerschaft und einer Verwaltung, die durch ihre tätige Arbeit die Klischee-Vorstellungen von den müden, engstirnigen und arroganten Beamten widerlegt. Dem Architekten ist es gelungen, dem kommunalpolitischen Willen einer modernen Stadt in Beton, Stahl, Glas und Holz beredten Ausdruck zu verleihen.
Dr. Ulrich Müller-Frank    Wilhelm Wagener
Bürgermeister  Stadtdirektor

Mittelpunkt einer modernen Stadt

Von Hans Josef Peltzer
Bensberg ist eine moderne Stadt, nicht nur wegen dieses Rathauses. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und eine Böhms-Feste allein sagt noch wenig über den Charakter einer Stadt. Bensberg aber ist ein Kind dieses Jahrhunderts. Es ist noch ein Teenager unter den Städten. Nach dem zweiten Weltkrieg aus einem Konglomerat von Ortschaften geboren, steht es heute im besten Entwicklungsalter. Es ist gerade dabei, sich das Leben in seinen Mauern zu formen, wie ein junger Mensch, der weiß, daß die Zukunft ihm gehört. Und der weiß, was er will.
Beginn mit ein paar Dörfern
Seine Vergangenheit ist leicht überschaubar. Sie beginnt um Christi Geburt mit einer Erdenburg und endet 1900 Jahre später mit einer Handvoll Dörfern, in denen rund 10 000 Menschen wohnen. Das Jagd-Schloß Jan Wellems, die in den Rathauskomplex aufgenommenen Reste der mittelalterlichen Burg, etliche Kirchen und Fachwerkhäuser, und einige verlassene Bergwerksanlagen zeugen von dieser Zeit.
Damals lebte man hier „auf dem Lande". Land- und Forstwirtschaft bestimmten das Leben, daneben in sehr bescheidenem Maße der Erzbergbau, der aber mit Ausnahme der Grube Lüderich zu Beginn des industriellen Zeitalters keine Überlebenschance mehr hatte.
In 70 Jahren vervierfacht
„Die Stadt", das war bis vor einigen Jahrzehnten Köln. Und für die Postkutsche waren die 14 Kilometer bis zum Dom noch ein weiter Weg. Eisenbahn. Straßenbahn und Auto ließen die Großstadt näher kommen, und ihre Ausstrahlung machte schließlich Bensberg selbst zur Stadt.
In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts verdoppelte sich bereits die Zahl seiner Einwohner, bis 1962 verdreifachte sie sich, und am Ende dieses Jahrzehnts wird sie sich bereits vervierfacht haben. Nur ein kleiner Teil der knapp 38 000 Einwohner dieser Stadt, namentlich jener Generation, die im Berufsleben steht, wurde hier geboren. Die meisten kamen von auswärts, viele aus Köln.
So kommt es, daß das Bensberger Stadtbewußtsein unter den Bürgern nur langsam wächst. Während viele Alteingesessenen noch die alten Kirchdörfer als ihren Heimatort ansehen und angeben, fühlen sich manche Jüngere eher als Kölner denn als Bensbergerzumal, wenn sie zu den rund 9000 Menschen zählen, die heute außerhalb Bensbergs arbeiten.
Nun beginnt Bensberg also selbst Stadt zu werden. Das äußert sich zunächst nicht anders als in vielen anderen Gemeinden, in denen die Nachkriegszeit Neubauten wie Pilze aus der Erde schießen ließ. Siedlungen entstanden, gute Straßen, die nachts hell erleuchtet sind, Schulen mit großen Fenstern und zweckmäßigen Möbeln, ein Gymnasium, in dessen Aula auch Theater gespielt werden kann, eine Realschule, Kindergärten, Kirchen, Kanäle, ein Wasserwerk, ein Krankenhaus, Industriebetriebe, ein Rathaus und noch vieles mehr, was zum Leben gehört.
All das veranlaßt mich jedoch noch nicht, Bensberg einemoderne Stadt zu nennen. Viele Dörfer können sich heute prächtiger Schulhäuser rühmen, und mancher Großstädter (z.B. im benachbarten Köln-Brück) muß noch seine Abortgrube leeren lassen, weil der Kanal kilometerweit vor seinem Haus endet.
Ordnende Hand spürbar
Was macht es denn sonst aus, das „Moderne" einer Stadt? Ich glaube, es ist jene Atmosphäre, die eine ordnende Hand im Werden und Vergehen erkennen läßt, und das Ziel, den heutigen Bedürfnissen des Menschen auf allen (oder zumindest den meisten) Lebensgebieten gerecht zu werden.
Nicht auf die breite Straße in einer Siedlung kommt es an, sondern darauf, daß die Straße ihre Funktion erfüllt, daß Autofahrer und Fußgänger sich ineinem Geschäftsviertel nicht gegenseitig das Leben schwermachen. Nicht der teakholzglänzende Schulpavillon ist die lobenswerte Tat, sondern die sinnvolle Schulplanung, die es erlaubt, allen Kindern den ihrem Können gemäßen Bildungsstand zu erreichen.
Und dieses Streben nach sinn-und planvoller und damit zeitgemäßer Gestaltung des Lebens innerhalb der Stadt ist in Bensberg spürbar, stärker als in allen anderen vergleichbaren Städten und Gemeinden, die ich kenne. Deshalb lebt es sich angenehm hier.
Köln rückt noch näher
Bensberq ist die erste und vermutlich immer noch die einzige Stadt im Regierungsbezirk Köln, die einen Stadtentwicklungsplan aufgestellt hat. Man weiß hier, daß die oben geschilderte Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist und daß die Stadt weiter wachsen wird, oder besser gesagt: wachsen muß.
Von den ehemals fünf Bahnhöfen, die auf Bensberger Gebiet lagen, ist zwar nur einer übriggeblieben, und auch er sieht nur noch wenige Güterwagen. Dafür aber wird die im Bau befindliche Autobahn Köln—Olpe der Stadt allein vier Auffahrten bescheren. Sie lassen die Entfernung zur benachbarten Metropole vollends auf wenige Minuten zusammenschrumpfen und das grüne Land am Rande des Königsforstes und des Bergischen Landes für ruhe- und lufthungrige Großstädter noch attraktiver machen, zumal auch der Bau der Schnellstraße vom nördlichen Stadtrand (Gladbacher Stadtgrenze) nach Köln nur noch eine Frage der Zeit ist.
Ist es unter diesen Umständen und bei dem bisherigen Wachstum noch vermessen, wenn sich Bensberg (und nicht nur die Stadt selbst) mit einer Zahl von 52 000 Einwohnern für das Jahr 1980 und einer „Endaufnahmefähigkeit von 75 000 Einwohnern vertraut macht?
Gesteuerte Entwicklung
Diesem Wachstum wollen und können die Verwalter dieser Stadt nicht tatenlos entgegensehen. Sie wollen und müssen disponieren im Schul-, Straßen-und Kanalbau und auch beim Bau sonstiger öffentlicher Einrichtungen. Sie wollen aber eine wirtschaftlich gesunde und städtebaulich befriedigende Entwicklung erreichen. Sie tun dies, indem sie Bau- und Industriegebiete ausweisen, neue Industrien ansiedeln und damit mehr Arbeitsplätze am Ort schaffen. Einkaufszentren planen, in denen sich das Geschäftsleben ungestört vom Durchgangsverkehr entwickeln kann.
Als eine der ersten Städte dieser Größe im Bundesgebiet hat Bensberg die sogenannte „Sanierung° der Innenstadt von Bensberg eingeleitet. Sie soll eine völlige Neugestaltung des Stadtkerns bringen, wobei der Durchgangsverkehr über eine neue Umgehungsstraße abgeleitet, eine verkehrsarme, für den Fußgänger ungefährliche Zone, weniger gefährdete Wege für die Schulkinder, ein qualifiziertes Geschäftsgebiet und mehr Parkraum für die Käufer geschaffen werden sollen. Ein zweites Einkaufszentrum ist für den größten Stadtteil Refrath vorgesehen.
Die Kosten allein für die Bensberger Umgestaltung für Grunderwerb, Gebäudeentschädigung, Abbruch, Umzug, Verlagerung und Entschädigungen und Erschließung hat die Verwaltung mit 5,6 Millionen Mark errechnet, ein Betrag, der etwa einem Drittel des gesamten jährlichen Haushaltvolumens der Stadt entspricht. Er zeigt das Ausmaß der Aufgabe, die nur eine von vielen ist.
Mit Geschick und Mut
Die Tätigkeit derer, denen die Stadtgeschäfte anvertraut sind, ist in Bensberg mehr als nur verwalten. Diese Stadt will erst noch geschaffen und geformt werden. Das setzt Geschick, Phantasie, Initiative und Mut voraus bei den Verantwortlichen.
Daß Bensberg Menschen mit diesen Eigenschaften besitzt, ist sein Glück. Es hat sie nicht zuletzt in Rat und Verwaltung.
So kommt es nicht von ungefähr, daß die Stadt dieses Rathaus erhielt, das beinahe rund um den Erdball von sich reden macht. Denn ungewöhnlich ist nicht nur der Entwurf des Architekten, mindestens ebenso ungewöhnlich und avantgardistisch war auch der Beschluß, gerade dieses Rathaus zu bauen statt einen der herkömmlichen Entwürfe zu verwirklichen, für den man auf den ersten Blick unter den Bürgern gewiß noch mehr Beifall hätte erwarten dürfen.
Demgegenüber ist die einhellige Meinung der Fachleute, daß dieses Bauwerk ein gelungener Wurf ist. Ich glaube, auch die Bürger, die ihm bislang noch mit berechtigter Skepsis gegenüberstanden, werden sich, je mehr sie das 1-laus kennenlernen, vor allem in seinem Innern, sich um so mehr mit ihm anfreunden. Und vielleicht sogar bald mit Recht stolz sein auf ihr Rathaus und ihre moderne Stadt.

Zwischen zwei Schnellstraßen

Als Stadt zwischen zwei Schnellstraßen wird Bensberg in wenigen Jahren eine verkehrstechnische Lage erhalten, die man sich günstiger kaum denken kann. Über nicht weniger als sieben Anschlußstellen wird man aus jedem Stadtteil innerhalb von einigen Minuten eine der beiden vierspurigen kreuzungsfreien Straßen erreichen können, die an das internationale Autobahnnetz angeschlossen sind.
Vier Anschlußstellen
Bereits in Bau befindet sich das erste Teilstück der Autobahn Köln — Olpe zwischen Lustheide und Untereschbach. Es wird im nächsten Jahr fertig und zunächst als „große Umgehung" Bensbergs Innenstadt von dem Durchgangsverkehr entlasten.
Die Autobahn wird in den nächsten Jahren über Köln-Brück und Köln-Merheim an den Kölner Autobahnring sowie im Zuge der Zoobrücke an die Kölner Stadt-Autobahn angeschlossen und im Südosten über Overath — Engelskirchen und das Oberbergische Land bis zur ebenfalls in Bau befindlichen Sauerlandlinie der Autobahn verlängert.
Im Bereich der Stadt Bensberg werden vier Anschlußstellen geschaffen:
•    an der B 55 zwischen KölnBrück und Lustheide,
•    am Rather Weg,
•    an der B 55 zwischen Untereschbach und Bensberg (Bockenberg) und
•    in Untereschbach. Weitere im Norden
Die zweite Schnellstraße wird als sogenannte Bergisch Gladbacher Umgehungsstraße Bensberg an seinem Nordrand berühren und schneiden. Sie soll im Raum Merheim von der Autobahn Köln — Olpe abzweigen, an Köln-Dellbrück vorbeiführen und am Südrand von Bergisch Gladbach den Refrather Weg und die Bensberger Straße kreuzen.
Die Planung dieses ersten Teilstückes soll in diesem Jahr, sein Bau in zwei Jahren beginnen. Es erhält Auffahrten in Gronau und an der Bensberger Straße. Später soll die Straße in Richtung Spitze-Dürscheid-Wipperfürth verlängert werden, wodurch auch die nördlichen Stadtteile von Bensberg direkt angeschlossen würden.
Neben diesen beiden kreuzungsfreien Straßen soll auch die Bundesstraße 55 ihre Bedeutung als Fernstraße behalten, für Bensberg in der Hauptsache als Zubringer zur Autobahn und zu den rechtsrheinischen Kölner Stadtteilen. Über die sogenannte „kleine Umgehung", wird auch sie aus dem Bensberger Geschäftsviertel herausgenommen und entlang der Rückfront der Hauptstraße vorbeigeführt, wo sich Gelegenheit bietet, zahlreiche Parkplätze anzulegen.
Das innerstädtische Verkehrsnetz, das bereits in den letzten Jahren weitgehend ausgebaut wurde, soll auch in Zukunft noch einige Verbesserungen erhalten. Geplant sind:
•    eine neue Verbindungsstraße nach Bergisch Gladbach im Zuge der Saaler Straße und parallel laufend zum Bundesbahndamm mit Anschluß an die Gladbacher Umgehungsstraße.
•    Ausbau und Begradigung der Verbindungsstraße von Bensberg über Moitzfeld — Herkenrath nach Dürscheid (bis Moitzfeld bereits abgeschlossen).
•    Verlängerung der Straßenbahnlinie von Köln über Bensberg hinaus nach Moitzfeld — Herkenrath — Dürscheid.
•    Abzweigung einer Straßenbahnlinie von Bensberg über Lückerath nach Bergisch Gladbach.

Das Verkehrsnetz von morgen bringt Bensberg die günstige Lage zwischen zwei kreuzungsfreien Schnellstraßen, die von jedem Ort des Stadtgebietes innerhalb weniger Minuten aus erreicht werden können.

Einkaufen und erholen

Die Bensberger Geschäftswelt ist bemüht, mit der Entwicklung der Stadt Schritt zu halten. Schon heute gibt es in zahlreichen Branchen Geschäfte, die mit ihren Leistungen allen Wünschen gerecht werden können. Dem Ziel, die Stadt noch attraktiver zu machen, dienen zwei städtische Projekte: die Neugestaltung (Sanierung) der Innenstadt zu einem Einkaufszentrum und das große Schul-, Sport- und Erholungszentrum im Gebiet um die Saaler Mühle.
Handelt es sich bei dem Erholungszentrum zur Zeit noch um Zukunftsmusik, so ist die für Bensbergs Geschäftswelt und Steuerkraft weit bedeutsamere Stadtsanierung bereits mitten in der Verwirklichung begriffen. Das erste Haus in der Hauptstraße, das auf die städtischen Pläne zugeschnitten worden ist, wurde vor Monaten bezogen.
Vier Jahre geplant
Vier Jahre intensiver Planung, geleitet von Stadtbaurat Wilhelm Franzen, werden schon in diesem Jahr weiter Früchte tragen und — wenn die Voraussagen der Planer sich erfüllen — in acht Jahren im wesentlichen abgeschlossen sein.
Noch in diesem Jahr wird das Landesstraßenbauamt mit dem Ausbau der inneren Ortsumgehungsstraße beginnen, die von der B 55 durch die Steinstraße, am früheren Rathaus vorbei, zwischen katholischer Volksschule und Hotel „Stadt Bensberg" vorbei, hinter der jetzigen Realschule über Am Stockbrunnen zur Wipperfürther Straße führen soll. Über ein großzügiges Kreuzungsbauwerk wird diese Ortsumgehung an die Straßen nach Forsbach und Overath (B 55) angebunden. Wird diese Straße dem Verkehr übergeben, können die Bensberger ihre Innenstadt für den Durchgangsverkehr schließen und die Wipperfürther Straße einziehen.
Schon bevor diese Voraussetzung der Innenstadtsanierung erfüllt ist, durch die das Zentrum dem Fußgänger übergeben wird, soll zwischen den Grundstücken Daubenbüchel und Gieraths ein Demonstrativprogramm zeigen, wie die Planer sich die Sanierung vorstellen.
Ladenstraße und Brücken
Die Hauptstraße wird nach der Vollendung der Pläne im Jahr 1975 ein langgestreckter aktiver Geschäftsbereich sein, um den herum sich der Bereich für den „Gemeinschaftsbedarf" (Kirche, Amtsgericht, Rathaus,
Heimatschule, Volksbildungswerk) gruppieren wird. Zwei Einkaufsebenen, die mit Parktaschen versehene alte Hauptstraße und eine über die Dächer der an ihrer Nordseite angebauten Geschäftshäuser führende weitere Ladenstraße für Fußgänger sollen eine unwiderstehliche Attraktion für Käufer aus Bensberg und Umgebung bilden.
Die Fußgänger werden in diesem Zentrum über Fußgängerbrücken auch auf die Dächer der auf der anderen Hauptstraßenseite gelegenen Häuser bummeln können.
Rathaus als Angelpunkt
An der Bergseite werden die Häuser so übereinandergestaffelt, daß sich wegen der enormen Höhenunterschiede (auf zehn Meter Entfernung bis zu 14 Meter Anstieg) Geschäfts-, Wohn- und Büroetagen wie in einem Halbkreis unter den Rathausring gliedern. Das Rathaus selbst wird, dem Willen seines Architekten und der Stadtplaner entsprechend, erst dann, 1975, auch städtebaulich die Funktion erfüllen, der es seine Gestalt verdankt: als Gelenk- und Angelpunkt des neuen Bensberger Stadtkerns.
Das Erholungszentrum der Zukunft sieht so aus: In Kippekausen beginnt ein Stadtgarten, überspannt eine Gesamtfläche von 900 000 Quadratmetern und mündet in ein Schul-, Sport- und Erholungszentrum im Gebiet Saaler Mühle. Dort werden drei weiterbildende Schulen, eine Realschule, ein naturwissenschaftliches Gymnasium und eine dritte noch nicht festgelegte Oberschule errichtet. Alle drei erhalten je eine Turnhalle, die jedoch so gebaut werden, daß sie durch das Aufschieben einiger Wände auch als eine einzige große Sporthalle genutzt werden können.
Stadthalle am Kahnweiher
An diese Großturnhalle gliedern sich weiträumige stadionähnliche Sportanlagen. Das Hallenbad, für das Bensbergs Bürger in dein Hallenbadförderverein seit Jahren Spargroschen auf Spargroschen legen, wird mit einem Freibad kombiniert, welches das schon jetzt an schönen Sommertagen überfüllte Schwimmbad im Milchborntal entlasten kann. Geplant sind großzügige Liegewiesen, die einen 30 000 Quadratmeter großen Kahnweiher umgeben. Geplant sind ein großes Hotel und eine Stadthalle.
Der Bensberger Architekt Dr. F. W. Bertram, der den Ideenentwurf für diese Planung herstellte, hat die notwendigen Baumassen und Freiflächen nach Ansicht von Stadtbaurat Wilhelm Franzen auf ideale Weise in die Landschaft eingebettet. Nicht kompakt auf einen Punkt konzentriert bietet sich das Modell den Betrachtern dar, sondern weit-flächig verstreut und doch in sich gegliedert und einander zugeordnet. Aus der großen Senke an der Saaler Mühle soll der spätere Kahnweiher entstehen, indem das Wasser einfach angestaut und die Senke ausgebaut wird.
Vielleicht, so hoffen die Bensberger Stadtväter, ergeben die Gespräche mit dem Versehrtensportverband, die seiteiniger Zeit geführt werden, eine schnellere Verwirklichung dieser Pläne, als selbst die Planer es sich bei den ersten Uberlegungen träumen ließen. Sollte der Versehrtensportverband wirklich zugreifen und sein Ausbildungs-Zentrum in Bensberg errichten, dann würden Zuschüsse vom Bund für Hotelbau, Sporthalle und sogar Schwimmbad weitaus ergiebiger und schneller fließen, als wenn Bensberg das ganze Projekt allein finanzieren müßte.
KI.

Schlafraum
Einen Schlafraum mit sechs Betten und einem Fernsehgerät sowie eine Küche mit Kühlschrank und elektrischer Kochplatte gibt es im Rathaus. Sie dienen den Besatzungen der drei Krankenwagen, die schichtweise Tag und Nacht sprungbereit sein müssen. Sie bleiben jedoch nur so lange im Rathaus, bis ihr endgültiges Domizil auf dem Im Bau befindlichen Bauhof an der B 55 bei Obereschbach fertiggestellt ist.

Das Modell zur Stadtsanierung zeigt vor dem neuen Rathaus (hier. schon in seinem endgültigen Zustand) eine Hauptstraße, die von modernen Ladentrakten In mehreren Ebenen und Fußgängerstegen ausschließlich den Käufern vorbehalten Ist, während der Durchgangsverkehr über eine Umgehungsstraße (ganz vorn) fließt.

In Refrath, dem größten Stadtteil Bensbergs, soll ein Einkaufszentrum zwischen der Dolmanstraße und Siebenmorgen entstehen. Dieser Entwurf stammt aus einem Gutachten des Instituts Gewerbebetriebe Im Städtebau und sieht eine Fußgängerzone Im Bereich der Straße Siebenmorgen zwischen Kippekausen und der Dolmanstraße vor.

Talsperre

Unter den Projekten einer ferneren Zukunft, die im Stadtentwicklungsplan enthalten sind, befindet sich sogar eine Talsperre. Sie wurde auf der Karte für ein Bachtal zwischen dem ehemaligen Grubengelände Berzelius und dem Ortsrand von Immekeppel als Badeplatz mit anschließendem Campingplatz eingezeichnet. An eine Verwirklichung dieser Idee ist allerdings für die nahe Zukunft nicht zudenken.

Fotoscheu

Dipl.-Ing. Prof. Gottfried Böhm, Köln, der das Rathaus entwarf, plante und die künstlerische Oberbauleitung halle, war zwar bereit, Pressevertretern Auskunft über das Rathaus zu geben, lehnte es aber strikt ab, sich fotografieren zu lassen. „Mein Werk soll wirken, nicht ich", meinte er.
Die günstige Lage im Grünen am Rande der Großstadt und die guten Verkehrsmöglichkeiten lassen Densbergs Bevölkerung weiter wachsen. Neben der Bundesstraße 55 (Bild) werden in Zukunft zwei Schnellstraßen im Norden und Süden der Stadt den Abstand zur Rheinmetropole weiter verkürzen.

Brauchte Bensberg ein Rathaus?

Im Jahre 1109 wird das alte Schloß der Grafen von Berg erstmals in einer Urkunde erwähnt. Im Jahr 1300 scheinen Bensberg und Refrath bereits zu einer Pfarrei vereinigt worden zu sein, denn schon um diese Zeit wird nur die Kirche von Bensberg als Pfarrkirche genannt, während die Refrather Taufkapelle, das wohl älteste Gotteshaus des ganzen Rheinisch-Bergischen Kreises als Pfarrkirche nicht mehr erwähnt wird.
Seit dem Jahr 1350 war die Burg Bensberg Sitz des gleichnamigen Amtes, dem 1363 die Orte Odenthal, Paffrath, Stammheim, Dürscheid, Bensberg, Porz, Volberg, Lülsdorf, Mondorf und Bergheim angegliedert waren. Im Jahr 1947 schließlich wurde Bensberg zur Stadt erhoben.
Zum erstenmal
Trotz dieser über Jahrhunderte gewachsenen zentralörtlichen Bedeutung innerhalb des Bergischen Landes hat Bensberg in seiner über 800jährigen Geschichte nie ein Rathaus besessen. Bis zur letzten Maiwoche 1967 knapp 20 Jahre nach der Stadtwerdung, war die inzwischen auf rund 180 Personen angewachsene Verwaltung in fünf verschiedenen Gebäuden untergebracht. Nicht nur für die Mitarbeiter der Verwaltung, sondern auch für die Bevölkerung wurde dieser Zustand mit den Jahren immer unerträglicher. Auch entsprachen die Büroräume in dem alten Schloß, im Hauptamt an der Steinstraße oder im Verkehrsamt an der Kölner Straße — um nur einige zu nennen — längst nicht mehr den einer modernen Verwaltung gestellten Anforderungen.
Der wichtige Grundsatz einer vernünftigen Verwaltungsorganisation, nach dem organisch zusammengehörige Dienststellen auch zusammenhängend unterzubringen sind, ließ sich nicht verwirklichen. Ubersicht und Uberwachung der Ämter und Dezernate und erst recht ihre Gesamtverwaltung waren sehr erschwert. Die getrennte Unterbringung führte zu Leerlauf und erschwerte zusätzlich das Bearbeiten dringender Anliegen der Bürger. Die Verwaltungskosten erhöhten sich zwangsläufig.
Erst andere Aufgaben erfüllt Hinzu kamen auf Grund der nach dem Krieg geänderten Verhältnisse laufend notwendige Uberprüfungen und Änderungen der Verwaltungsorganisation. Die dadurch notwendig werdenden Änderungen in der Unterbringung einzelner Behörden erforderten Umbauten, Umzüge, die Anmietung weiterer Büroräume. Hierfür allein wurden nach dem Krieg rund 300 000 Mark ausgegeben, wobei die erhöhten Personalaufwendungen, die für Büromaterial, Heizung, Strom, Wasser, Telefon usw. noch gar nicht mitgerechnet sind. Der alte Zustand konnte und sollte nach dem Willen der Verantwortlichen in Stadtrat und Stadtverwaltung nur eine Notlösung bleiben, eine Notlösung, für die es weit und breit kein vergleichbares Beispiel gab.
Schon 1959, vor nunmehr acht Jahren, wurde mit den Vorbereitungen zur Lösung des dringenden Problems begonnen. Die Stadt wartete von der Währungsreform bis zum Baubeginn 16 Jahre, bis sie ihre anderen unbedingt notwendigen Aufgaben durchgeführt oder in ihrem langfristigen Investitions- und Finanzplan gesichert hatte. Bund, Länder, Gemeindeverbände und andere Gemeinden haben in diesen Jahren, in denen die Stadt Bensberg Wohnungen, Schulen, Krankenhaus, Altersheim, Kanalisation und Straßen baute, bereits ihre Verwaltungsgebäude errichtet. In Bensberg setzte man die Prioritäten umgekehrt und wurde damit vorbildlich für viele Städte und Gemeinden in der Bundes-
republik.    -bpk-

Stadt baute 100 neue Klassen

Bensbergs Bürger sparten nicht mit Hinweisen darauf, daß ihre Stadt ihre Steuereinkünfte in allen möglichen Bauwerken sinnvoller angelegt hätte als ausgerechnet in einem Rathausbau. Hat man wirklich so unverantwortlich gehandelt, wie einige der empörten Leserbriefschreiber meinten? Allein ein Blick auf das seit 1949 von der Stadt bewältigte Schulbauprogramm und ein weiterer auf die Schulbauplanung bis 1980 zeigen, daß man der Wohlfahrt der Bürger und der Ausbildung der Kinder immer die Aufmerksamkeit geschenkt hat, die sie verdienten.
In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts wurden in Bensberg, dem ganzen heutigen Stadtgebiet, nur zwei Schulen gebaut: die evangelische Schule (heutige Realschule) 1903 und zwei Barackenklassen 1933 in Refrath. Während dieser Jahrzehnte erlebte die Stadt eine Stagnation der Geburten- und Zuzugszahlen, was sogar bis zu einer rückläufigen Tendenz in den Jahren 1914 bis 1928 führte.
Nach dem zweiten Weltkrieg mußte bei explosionsartig steigenden Schulkinderzahlen der Unterricht zwei-, in Refrath sogar dreischichtig geführt werden.
Verschärft wurde die Situation durch die Beschlagnahme der sechsklassigen Bensberger katholischen Volksschule.
Seit 1949 wurden insgesamt 14 evangelische und katholische Volksschulen, Sonderschule, Realschule und ein Gymnasium neugebaut bzw. renoviert. Für die neugebauten 100 Klassenräume wurden in dieser Zeit fast 28 Millionen Mark ausgegeben. In dieser Summe sind die Kosten für Lehr- und Lernmittel nicht enthalten.
Für die kommenden fünf Jahre sieht der Investitionsplan Bensbergs vor: 87 Klassen für Sonder- und Volksschulen, die zusammen mit den vier bis fünf Turnhallen, den beiden Realschulen, einem naturwissenschaftlichen Gymnasium 36 Millionen Mark kosten sollen. Ein drittes Gymnasium sieht die Landesplanung überdies für die nächsten 20 Jahre vor.
Um einen Vergleich zu ermöglichen: Das komplette Rathaus mit seiner Einrichtung hat genausoviel gekostet wie die Realschule gekostet haben wird, die zur Zeit im Bau ist: runde sieben Millionen Mark.    -ner-

Industrie im Atomzeitalter

Bensberq ist keine Industriestadt. Dennoch spielen Industrie und Gewerbe im Haushalt der Stadt die entscheidende Rolle. Mit 4,7 Millionen Mark ist die Gewerbesteuereinnahme der absolut größte Faktor im18-Millionen-Etat der Stadt und etwa fünf mal so groß wie die Einnahmen aus der Grundsteuer.
Unter den nicht sehr zahlreichen, aber im Wirtschaftsleben der Bundesrepublik sehrbedeutsamen Industrieunternehmen im Stadtgebiet zählt als eines der jüngsten die Interatom, die sich mit Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Kernenergie befaßt. Sie baut. u. a. ein Versuchskernkraftwerk im Kernforschungszentrum Karlsruhe und zusammen mit einer anderen Gesellschaft den Antriebsreaktor für das erste deutsche Atomschiff „Otto Hahns.

Böhms Burg für die Bensberger Bürger

Die ersten Planstudien über die Standortfrage des dringend notwendigen Rathaus-Neubaus wurden im November 1959 vom Haupt- und Finanzausschuß der Stadt Bensberg in einer gemeinsamen Sitzung beschlossen. Acht Monate später, im Juli 1960, beschloß der Bauausschuß, städtebauliche Gutachten über die Standortfrage für das Rathaus anfertigen zu lassen. Die Stadtväter wollten in dieser wichtigen Frage nichts dem Zufall oder dem Gemeinwesen abträglichen Interessen überlassen.
Einen Monat später lagen die Gutachten vor. Sie bezeichneten übereinstimmend das Gelände des alten Schlosses als die städtebaulich hervorragendste Stelle für den Rathaus-Neubau.
Nicht nur städtebaulich, auch historisch gesehen, war diese Entscheidung sinnvoll. Die alte Burg stellt zweifellos einen der ältesten besiedelten Plätze, bestimmt aber ihren im Laufe der Jahrhunderte bedeutungsvollsten in Bensberg dar. Die Historiker halten es für möglich, daß sie auf einen der königlichen „Höfe" aus der Karolingerzeit zurückgeht, ebenso wie die Orte Gladbach, Paffrath, Urbach.
Vielleicht bildete die Bensberger Burg als ‚königliche Villa" den Mittelpunkt der genannten benachbarten „Höfe" und der umliegenden unter königlicher Verwaltung stehenden Wälder Frankenforst, Buchenforst (Buchforst) und Königsforst. Der romanische Unterbau zum fünfeckigen Bergfried des alten Schlosses könnte auf eine solche Burg zurückgehen. Die Tradition dieses Ortesdürfte mithin als Verwaltungsstätte über tausend Jahre alt sein.
Was die städtebauliche Lage des geplanten Neubaus anging, so herrschte die Auffassung, daß ein Rathaus — heute mehr noch als früher — ein von den Bürgern stark besuchtes Gebäude ist. Deshalb solle es möglichst im Zentrum einer Stadt, aber auch mit einem sich von der Umgebung unterscheidenden Äußeren an einem besonders bevorzugten Platz errichtet werden.
Die Stadt erwarb auf Grund der Gutachten 1961 den Grundbesitz ‚Altes Schloß" von Carl Graf von Spee, dem Rechtsnachfolger jener Grafen von Berg, die das Schloß im 12. Jahrhundert errichteten. 335 000 Mark zahlte die Stadt für die rund 10 000 Quadratmeter.
12 bekannte Architekten wurden im April 1962 zu einem Ideenwettbewerb aufgefordert, um eine gute architektonische und städtebauliche Lösung zu erzielen. Zur Aufgabe wurde den Architekten unter anderem gemacht: „Das neue Rathaus soll auf dem Gelände des alten Schlosses errichtet werden. Das alte Schloß ist als historisch bedeutsames Baudenkmal ein ausdrucksvolles Zeugnis der weit zurückliegenden Geschichte Bensbergs. Die Bedeutung des alten Schlosses in Verbindung mit dem neu zu bauenden Rathaus soll dazu beitragen, die aus neun Stadtteilen zusammengefügte Stadt Bensberg geistig und politisch stärker zu zentrieren. Die historisch wertvolle Bausubstanz muß bei der Neuplanung gebührend berücksichtigt werden."
Bereits zu diesem Zeitpunkt war man sich bei den Verantwortlichen in Bensberg darüber klar, daß in städtebaulicher Hinsicht der Marktplatz zwischen dem alten und dem neuen Schloß von einer maßstabsgerechten niedrigen Bebauung eingefaßt werden und den ältesten Teil der Bensberger Besiedlung repräsentieren sollte.
Inzwischen wurde auch die Sanierung der Bensberger Innenstadt, genauer, die des Geschäftszentrums entlang der Kölner, Schloß- und Hauptstraße in diese Planung einbezogen. Wenn in wenigen Jahren die Ortsdurchfahrt die Stadtmitte in Höhe der Steinstraße umgehen wird und aus der Bundesstraße 55 ein von modernen Geschäftshäusern umgebenes, zweigeschossig begehbares Einkaufszentrum geworden ist, wird das Rathaus die vorweggenommene Krönung dieses weitblickenden Planes sein.

Das Preisgericht sprach dem Kölner Diplom-Ingenieur und Professor Gottfried Böhm den ersten Preis im Rathaus-Wettbewerb mit folgender Begründung zu: „Der Entwurf ist eine überzeugende    künstlerische Antwort auf die gestellte Aufgabe. Dem Verfasser ist es gelungen, den gegebenen Maßstab aufzunehmen und in ihm weiter zu gestalten, ohne zu historisieren oder ins allzu Romantische abzugleiten. Der Hof bildet den überzeugenden Abschluß seiner Marktplatzkonzeption, und die beiden Kontrapunkte, Treppenturm und kleiner Innenhof, bilden eine sehr schöne letzte Verdichtung seiner ganzen räumlich-plastischen Komposition."
Was selten genug mit architektonischen Entwürfen geschieht, die für ihren künstlerischen Wert mit einem ersten Preis versehen werden, dazu entschloß sich der Bensberger Stadtrat. Er beschloß 1963, der Empfehlung des Preisgerichtes zu folgen und den Sohn des bekannten Kirchenbauers Dominikus Böhm, der inzwischen selbst zu Rang und Namen gekommen war, mit der Ausführung seines Entwurfs zu beauftragen.    -nert

Kippentonnen
Aschenbecher, deren Fassungsvermögen schier unerschöpflich ist, wurden im Treppenhaus, auf den Fluren und in den Schalterräumen mit starkem Publikumsverkehr des Rathauses aufgestellt: halb mit Sand gefüllte Blumenkübel in Diabolo-Form.

Und so geht es weiter

Das alte Schloß hatte durch viele zusätzliche Bauten nach 1850 wesentlich von seinem Wert als Denkmal verloren. Spätestens im August dieses Jahres sollen diese später angefügten Teile auch im letzten noch stehenden Teil der Burg fallen. Erhalten bleiben der Bergfried, der Engelbertsturm, der Michaelsturm und die Außenmauer zwischen dem Bergfried und dem Engelbertsturm. Sie sind in die Planung beim zweiten Bauabschnitt einbezogen worden, der den Ratstrakt umfaßt.
Die Außenmauer ist in ihrer unteren Hälfte 1,80 breit und in ihrer oberen Hälfte 0,90 m. Sie wird so als Saalwand genutzt, daß im oberen Teil eine Galerie eingeschoben wird. Außerdem sind Presse- und Besucherempore vorgesehen.
Der Bürgermeister soll sein Zimmer im Bergfried, die Fraktionen Räume in der alten Bastion erhalten. Soweit wie möglich sollen die ursprünglichen Materialien freigelegt und wenn nötig ausgebessert werden. Lediglich die neue Saalwand zum Innenhof, die Raumdecke und die Empore sollen wie der Verwaltungstrakt in behandeltem Sichtbeton und in Glas ausgeführt werden.
Auch die anderen Teile des alten Schlosses, die Ringmauer und der Gewölbekeller sollen in ihrer ursprünglichen Form freigelegt und mit den neuen Gebäudeteilen zu einer Einheit gestaltet werden.
Die Verwaltung hofft, daß damit bis zum Frühjahr 1969 der Rathausneubau vorerst abgeschlossen sein wird. Eine spätere Vergrößerung des Rathauses bei weiterem Anwachsen der Stadt ist durch die Vervollständigung des Gebäuderings möglich und vorgesehen.

Schlüssel

Die Türen des Rathauses haben ein ausgeklügeltes System von Sicherheitsschlössern. Jede Tür hat einen besonderen Schlüssel. Jeder Leiter eines Amtes besitzt einen Gruppenschlüssel, der auf die Türen seines Amtes sowie auf die Haustür und die entsprechende Korridortür paßt. Der Stadtdirektor, die Beigeordneten und der Hausmeister können mit einem „Generalschlüssel" alle Türen im Rathaus öffnen.

Das Rathaus in Zahlen
Umbauter Raum 24242 cbm
Nutzfläche 4682 qm
Verkehrsfläch 1888 qm
Gesamtzahl der Bürozimme 143
davon als Reserve vorerst vermietet 21
Kosten für Grundstück, Gutachten und Ideenwettbewerb 435000 DM
Baukosten 5401000 DM
Kosten der Außenanlagen 280000 DM
Kosten der Betriebseinrichtungen (Heizung, Aufzüge usw.) 370000 DM
Baunebenkosten (Architekten, Statiker usw.) ... 735000 DM
Vorleistung für Erhaltung und Umbau der historischen Teile 70000 DM
Gesamtkosten des 1. Sauabschnitts voraussichtlich 7291000 DM
Kosten des 2. Bauabschnitts (Ratssaal) voraussichtlich 800000 DM

Verlagsbeilage des KStA vom 23.06.1967

Freigabe: 
Freigabe für den BGV durch Kölner Stadt-Anzeiger mit e-mail vom 10.03.2009