Belgier gaben am Freitag Schloß Bensberg an das Land zurück

Belgier gaben am Freitag Schloß Bensberg an das Land zurück

RP hat die Schlüsselgewalt über das Schlafgemach
Belgier gaben am Freitag Schloß Bensberg an das Land zurück

Von unserer Redakteurin Karin M. Erdtmann
Bensberg — Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes ging auf Nummer sicher: Bevor er am Freitagvormittag im Bensberger Schloß den Schlüssel für das einstige kurfürstliche Schlafgemach entgegennahm, probierte er die Wirkung des Türöffners aus. Mit der symbolischen Handlung gaben die Belgier einen Großteil des Schlosses an das Land zurück.
„Wir wußten, daß die Teilfreigabe einmal stattfinden würde", meinte Schuldirektor Marcel Scheers. Man wisse, daß man der Bevölkerung damit eine große Freude bereite, „doch sind wir auch von einer großen Sorge wenigstens teilweise befreit". Etwa ein Drittel des Gebäudekomplexes werden die Belgier weiter für den Schulbetrieb nutzen. „In Bensberg fühlen wir uns immer noch wohl", sagte Scheers und wertete das gute Miteinander zwischen Deutschen und Belgiern in Bergisch Gladbach als einen „bescheidenen Beitrag zur besseren Verständigung unter den Völkern im gemeinsamen europäischen Haus".
Francois Joos, der Leiter der belgischen Baudirektion, bedankte sich dann auch für die vielen Jahre freundschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Land und der Oberfinanzdirektion. Deren Vertreter, Finanzpräsident Bernd-Rüdiger Kössler (Leiter der Bundesvermögensabteilung der Oberfinanzdirektion Köln) zeigte sich erfreut darüber, daß zu einem Zeitpunkt, an dem die Truppenreduzierung gerade erst beginnt, das Schloß dem Land zurückgegeben werde.
Für Antwerpes war die Schlüsselübergabe ein „sehr historischer Moment". In einem kurzen Rückblick beleuchtete er die wechselvolle Geschichte des Schlosses und die „langanhaltenden stürmischen Bemühungen der Kölner um Inbesitznahme des begehrten Objektes". Mit der Übergabe gehe somit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Erfreulich müsse es für die bisherigen Nutzer auch sein, daß sie das Schloß an jemanden übergäben, dessen Vorfahren aus Flandern stammen. 1578 seien seine Ahnen aus Antwerpen vertrieben worden.
Seit 1950, so Antwerpes, nutze das Königreich Belgien das Schloß auf Grundlage des Nato-Truppenstatuts als Atheneum (Schule mit Internatsbetrieb). Der nicht zuletzt durch die Truppenreduzierung bedingte Rückgang der Schülerzahlen sei nun Anlaß für die Übergabe des größten Teils des Schlosses an die „Öffentliche Hand". „Bevor der jetzt freiwerdende Bereich einer neuen Nutzung übergeben werden kann, werden aber noch Jahre vergehen", meinte der Regierungspräsident mit Blick auf die anstehende Renovierung, für die rund 30 Millionen Mark aufgewendet werden müßten.
„Im Vergleich dazu: Die Renovierung von Schloß Augustusburg hat 42 Millionen Mark gekostet; aber auch 40 Jahre gedauert. So lange sollten wir hier nicht warten." Bewerber um die Nutzung gebe es genug. Als Beispiele nannte Antwerpes die Justizverwaltung wegen des Amtsgerichts, die Stadt Bergisch Gladbach, die dort gerene eine Außenstelle der Kölner Fachhochschule eröffnet sähe sowie die Kölner Universität, die ein Gästehaus einrichten möchte. Entscheidungen seien jedoch noch nicht getroffen worden. „Am besten wäre es, wenn alle etwas davon hätten." Zur Zeit könne er jedoch nur versprechen, „daß allen der Anblick dieses großen und herausragenden Bauwerks erhalten bleibt".

Die Schlüssel zum Schlafgemach des Kurfürsten übergab Marcel Scheers (2. v.r.) an Franz-Josef Antwerpes. Links im Bild: Finanzpräsident Kössler und Francois Joos, Leiter der belgischen Baudirektion. (Bild. Günther)

Quelle: 
KStA-19920201 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 18.02.2008