
Radio Berg: Countdown läuft
Der neue Rundfunksender geht am Samstag, 7. Oktober, auf Sendung
Von unserem Redakteur Andreas Halbach
Rheinisch-Bergischer Kreis — Nach sechsjährigem Marathon durch Paragraphendschungel und über Hürden der Technik ist das erste kommerzielle Lokalradio für den Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis, der neue Rundfunksender „Radio Berg", auf die Zielgerade eingebogen. Als Vorletzter (dahinter nur noch Euskirchen) aller 46 Lokalsender in Nordrhein-Westfalen will „Radio Berg" am Samstag, 7. Oktober, auf Sendung gehen.
Für Chefredakteur Frank Frewer (38) und die übrigen fünf festangestellten Mitarbeiter (drei Jungredakteure und zwei Halbtagssekretärinnen) läuft der Countdown: In den nächsten Tagen muß das Sendestudio im Technologiepark Moitzfeld eingerichtet werden. Sechs Büroräume auf knapp 100 Quadratmetern stehen für zwei Selbstfahrersendeplätze, vier Schnittplätze in Digitaltechnik und sechs Computerarbeitsplätze zur Verfügung.
Optimistisch blicken die Verantwortlichen in die Zukunft der bergischen Welle. „1989 haben wir den Antrag bei der Landesrundfunkanstalt gestellt. Nach etlichen Schwierigkeiten können wir nun mindestens 80 Prozent aller Hörer im Sendegebiet erreichen", deutet Dr. Horst Bongardt, der Vorsitzende der für das Programm verantwortlichen „Veranstaltergemeinschaft Radio Berg e.V.", vor allem auf Probleme mit den unterschiedlichen Frequenzen hin. In seinem Sendegebiet mit knapp 500 000 Einwohnern zwischen Bergisch Gladbach und Radevormwald und von Leichlingen bis Morsbach ist Radio Berg vom 7. Oktober an über vier verschiedene Sender (Sender Lindlar mit vier Kilowatt über UKW-Frequenz 105,2 Mhz, Sender Waldbröhl mit einem Kilowatt auf 105,7 Mhz, Sender Bergisch Gladbach in Köln-Poll mit 0,5 Kilowatt auf 99,7 Mhz und Sender Leichlingen in Opladen mit 0,1 Kilowatt auf 96,9) zu empfangen.
Das Problem: Autofahrer, deren Radios nicht mit sogenannter „RDS-Kennung" ausgestattet sind, müssen bei der Fahrt durchs Sendegebiet mehrfach am Radio drehen. Dagegen meinte Georg Hesse, Geschäftsführer der für das Kaufmännische zuständigen „Betriebsgesellschaft" von Radio Berg, bei der Vorstellung des Senders am Donnerstagabend: „Eswird schon bald keine Autoradios ohne RDS mehr geben. Außerdem wird Radio Berg auch ins örtliche Kabelnetz eingespeist."
Hesse geht davon aus, daß Radio Berg „im fünften Jahr schwarze Zahlen schreiben" wird. Chefredakteur Frewer, der zuletzt acht Jahre lang als Freier Mitarbeiter im WDR-Studio Wuppertal beschäftigt war, bekräftigt: „Wir müssen das Ding erst mal ans laufen kriegen. Es ist knapp, aber zu schaffen."
„Flott und fröhlich"
Mit Schnelligkeit und journalistischer Sorgfalt will Radio Berg „ein aktueller Informationssender" werden. Die Zielgruppe im Alter „zwischen 20 und 50 Jahren" soll mit Berichten über lokalen Ereignisse, Sport, Veranstaltungshinweisen, Live-Reportagen und einem Musikangebot nach dem Vorbild von Radio Köln angesprochen werden. „Die Vor-Ort-Beobachter" seien ihm wichtig, meint Frewer, der freie Mitarbeiter in allen 21 Städten und Gemeinden der beiden Landkreise einsetzen will. Bei einem Wortanteil von bis zu 40 Prozent soll Radio Berg „flott und fröhlich daherkommen", so Chefredakteur Frewer,der jedoch klarstellte: „Es wird kein Boulevardradio." Auch über die Eigenarten der Region werde in „identifikationsstiftender" Weise berichtet.
Radio Berg sendet rund um die Uhr. Das Programm von 9 bis 12 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr wird selbst produziert, das Rahmenprogramm der übrigen Sendezeit wird wie bei allen anderen Lokalradios von Radio NRW aus Oberhausen via Satellit übernommen. Das Vormittagsprogramm soll mit „leichter Kost" beginnen, es folgen „härtere Themen", wie beispielsweise Live-Schaltungen per Handy aus dem Amtsgericht. Lokalnachrichten werden vormittags um 6.30. 7.30 und 8.30 Uhr gesendet, regionale Verkehrshinweise gibt's alle halbe Stunde.
Wie es das Landesrundfunkgesetz verlangt, werden täglich zwischen 18 und 19 Uhr Bürger-Gruppen bis zu 45 Minuten auf dem neuen Sender zu Wort kommen. Zwar könne ein schlecht gemachter Bürgerfunk ein „Abschaltfaktor" sein. Die Redaktion sagt den freien Gruppen und Radiowerkstätten ihre Unterstützung zu. Frewer: „Es bringt nichts gegen sie (die Bürgerfunker, d. Red.) zu wettern. Wir werden daher eher die kooperative Linie fahren."
Gewappnet für den Sendestart am 7. Oktober ist das Team von Radio Berg: der Vorsitzende der Veranstaltergemeinschaft Dr. Horst Bongardt, Redakteur Ralf Arenz, Chefredakteur Frank Frewer und Redakteur Guido Jahn (von rechts). Nicht im Bild die Redakteurin Barbara Erbe. (Bild: Günter Möllinghoff)