Mit Orangerie in Stahl und Glas

Der ausgestiegene Steinbreche-Investor kann nun beim Buchmühle-Projekt zum Zug kommen
Mit Orangerie in Stahl und Glas
Volksschulbau bleibt und wird erweitert — Hotel und konventionelles Kaufhaus sind gestrichen

Von unserem Redakteur Wilhelm Becker
Bergisch Gladbach — Eine drastische Reduzierung erfährt der Bebauungsplan Buchmühle. Das Volksschulgebäude aus den 30er Jahren soll stehenbleiben, jedoch unter anderem durch den Anbau einer „Orangerie" aus Stahl und Glas verändert werden.
Fallengelassen werden Hotelbau und Kaufhaus sowie Wohnbebauung im Hinterland der Laurentiusstraße. Übertragen werden soll die Verwirklichung des gesamten Projekts einschließlich Errichtung von eingeschossigen Geschäftspavillons im Bereich Buchmühlenstraße und alter Volksschule/ Turnhalle der Niederrheinischen Baugesellschaft in Krefeld.
Es handelt sich dabei um die gleiche Firma, die als einziger potentieller Träger für das Kongreßcenter-Projekt Steinbreche in Refrath übriggeblieben war und dann das Handtuch warf, als die Ratsmehrheit ihr auf Initiative der SPD-Fraktion weitere Auflagen zum Bau einer großen und entsprechend teuren Tiefgarage machen wollte.
Der Zuhörer vermeinte schadenfroh verhaltenes Lachen und ironisches Raunen zu vernehmen, als der Vorsitzende des Planungsausschusses, Peter Schmitz, am Dienstag abend im Bensberger Ratssaal das verschlossene Kuvert mit dem Namen des Wettbewerbssiegers bekanntgab.
Der Fachausschuß hatte das Projekt der Niederrheinischen Baugesellschaft zuvor einstimmig gutgeheißen, ohne den Namen des Unternehmens zu kennen.
Nur zwei Angebote
Ursprünglich hatten sich fünf Interessenten um die Trägerschaft des Buchmühlenprojekts beworben, jedoch nur zwei reichten Angebote ein. Sie wurden von einer Kommission aus Vertretern der Stadtverwaltung und Mitgliedern des Planungsausschusses geprüft und vorberaten. Auch die Kommission durfte die Namen der Interessenten nicht kennen.
Unterlegener Bewerber war eine Arbeitsgemeinschaft von Strabag und SF-Bau in Köln, die im Bereich der früheren Volksschule bis zur Hauptstraße hineinen kompakten Neubau vorsah, der sich über private und öffentliche Grundstücksfläche hinzieht.
Nach den neuerdings vom Planungsausschuß einstimmig favorisierten Bebauungsvorstellungen bleibt die Schule in der Buchmühle bauliche Dominante, wird als solche durch die Gebäudeverbindung aus Stahl und Glas mit gläserner Kuppel, angeordnet zwischen den beiden Seitenflügeln unmitelbar vor dem Mitteltrakt, noch hervorgehoben.
Wie das Innere der früheren Schule genutzt wird, soll zunächst offen bleiben, um dem potentiellen Investor nicht vorzugreifen und ihn eventuell abzuschrecken.
Entlang der Buchmühlenstraße, von der Schule bis fast zu den Geschäftshäusern an der Hauptstraße, soll auf einer Wiese ein eingeschossiger Geschäftshaustrakt mit begrüntem Flachdach entstehen. Ein gleichartiger Ladentrakt soll zwischen der alten Volksschule und der Turnhalle, die stehenbleibt, gebaut werden. Der Spitzhacke zum Opfer fallen soll dort die Gymnastikhalle. Selbst wenn in allen Geschossen der Volksschule Geschäftsfläche untergebracht würde, betrüge die Gesamtgeschäftsfläche des neuen Projekts nicht mehr als 2800 Quadratmeter.
Zurückverwandelt werden in Grünfläche soll über eine Flächennutzungsplanänderung die Wohnbaufläche in den heutigen Privatgärten zwischen der Parkplatzzufahrt von der Laurentiusstraße aus bis zum Grundschulgelände Am Broich. Das ist im Sinne der heutigen Eigentümer, die die Ausweisung als Bauland ablehnen.
Zu teure Vorschläge
Nicht vorgesehen sind in der neuen Planung eine oder gar zwei größere Tiefgaragen. Beide Wettbewerbsteilnehmer sahen unterirdische Parkplätze, zum Teil in mehreren Etagen, vor. Da beide Vorschläge der Stadt zu groß und zu teuer sind, auch die Garagenzufahrten zuviel oberirdischen Raum wegnähmen, erarbeitete das Stadtplanungsamt ein Baukonzept für 57 unterirdische Einstellplätze an der Südseite des Volksschulgebäudes sowie zwischen Schule und Turnhalle unter dem dort vorgesehenen eingeschossigen Ladentrakt. Die neue Planung sieht eine Anliegerstraße für Häuser an der oberen Hauptstraße vor, die von der Odenthaler Straße aus zu befahren ist und in einem Wendehammer endet.
Nach einhelliger Zustimmung empfahl der Planungsausschuß dem Stadtrat die erneute Offenlegung des erheblich geänderten Bebauungsplanentwurfs. Zudem muß auch die Flächennutzungsplanänderung — also die Rückumwandlung von Wohnbaufläche in Grünland — erneut offengelegt werden.
Baudezernent Wilhelm Franzen rechnet damit, daß der Stadtrat am 24. Februar der Empfehlung des Planungsausschusses folgend beschließt. Dann würden Bebauungsplan-und Flächennutzungsplanänderung im März, noch vor den Osterferien, vier Wochen zur Einsichtnahme offengelegt. Anregungen und Bedenken könnten dann erneut vorgetragen - werden.
Sobald feststeht, wie gebaut werden darf, wird der Grundstücks- und Gebäudewert ermittelt. Der Investor, so Franzen gestern auf Anfrage zum „Kölner Stadt-Anzeiger", sei alternativ zu zwei Verfahren der Projektabwicklung bereit: Entweder bleibe er als Bauträger Besitzer der Gesamtanlage, die er dann an Interessenten vermiete, oder er verkaufe nach Fertigstellung der Gebäude die Anlage.

DAS TREPPENHAUS im Mitteltrakt der Volksschule aus den 30er Jahren soll „entkernt", erweitert und mit viel Glas zu einer „Orangerie" ausgebaut werden; im Vordergrund das Fachwerkhaus, in dem bis vor kurzem die städtische Musikschule untergebracht war.

EINSCHLIESSLICH DER Dachform soll die alte Schule stehen bleiben. Stadtbaurat Franzen empfiehlt allerdings eine viergeschossige Ausweisung der Schule im Bebauungsplan, weil das Dach als Vollgeschoß anzusehen sei.    Bild: Albert Günther

Quelle: 
KStA-19870212
Freigabe: 
Freigabe erteilt für BGV durch KStA mit email vom 28.12.2009
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