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Ende für zwei Bäche?


Ende für zwei Bäche?
Bürgerversammlung zur Bebauung Kradepohlswiese — Naturschützer melden heftige Bedenken an

Von Renate Hofmann
Bergisch Gladbach — Übervoll war die Gaststätte Gierather Mühle, in die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Arbeitskreis Biotopvernetzung zur Bürgerversammlung geladen hatte. Die Bauleitplanung Kradepohlswiese zwischen Gronau und Kölner Stadtgrenze war Thema des Abends. Joachim Melke vom Arbeitskreis Biotopvernetzung und Günter Ziffus als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft für Stadtentwicklung und Verkehr des BUND erläuterten die Problematik der Planung.
Werde der Bebauungsplan wie derzeit vorgesehen verabschiedet, seien die letzten offenen Landschaftsteile zwischen Strunde und Kemperbach bedroht, befürchten die Naturschützer. Ein Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten gerate in Gefahr, hieß es weiter. Statt dessen wird gefordert, innerhalb des Bebauungsplanes den Geländestreifen südlich der Planstraße als offenen Bereich zu erhalten. Ebenso soll das südwestlich gelegene Feuchtgebiet außerhalb des Plangebietes auf dem Gelände der ehemaligen Firma Wachendorff erhalten bleiben. Den so geschaffenen Grünzug wollen die Umweltfreunde unter Schutz gestellt sehen.
Immerhin handele es sich bei diesem Bereich um ein Gelände mit übergeordneter Bedeutung, erläuterte Joachim Melke. Werde die Bebauung wie geplant gestattet, würden der Kemperbach sowie ein kleiner Waldbach über kurz oder lang versiegen. Das hätte nicht nur eine Verschlechterung des Kleinklimas in der direkten Umgebung zur Folge. Darüber hinaus gerieten wertvolle Naturschutzgebiete auf Kölner Raum in Gefahr.
Austrocknung befürchtet
So könne man davon ausgehen, erläuterte Melke weiter, daß der Tiefenbruch austrocknen werde. Das würde dem ursprünglichen Auenwald die Lebensgrundlage entziehen, der ohnehin als Altbestand eines Feucht- und Naßwaldes auf kalkhaltigem Grundwasser-vorkommen auf der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen stehe.
Zudem: Sinke der Grundwasserspiegel im Tiefenbruch weiter, würde die wasserspeichernde Pufferzone für das nördlich angrenzende Naturschutzgebiet Thielenbruch verloren gehen. Das hätte langfristig auch das Austrocknen dieses Kalkflachmoores zur Folge.
Unter dem Beifall der Gäste führte Melke aus, daß auch das Umweltamt der Stadt Bergisch Gladbach den Wert des Geländes mittlerweile erkannt. Es spreche sich in einem Gutachten ebenfalls gegen die Bebauung aus. Gegen die Versiegelung der Landschaft haben sich mittlerweile auch 800 Bürger mit ihrer Unterschrift ausgesprochen. Der entsprechende Bürgerantrag steht auf der Tagesordnung der Ratssitzung vom 21. Juni. Abschließend behandelt wird der Bebauungsplan voraussichtlich im August.
Günter Ziffus wies derweil auf die großen wirtschaftlichen Interessen in Zusammenhang mit dem Bebauungsplan hin. „Hier werden Multimillionäre gemacht", führte er aus. Die Umwandlung eines Hektars Gelände in Gewerbefläche würde dem Eigentümer rund zwei Millionen Mark einbringen. Bei der Kradepohlswiese stehen 6,2 Hektar zur Debatte.
Darüber hinaus erklärte Ziffus, daß die Stadt nach wie vor den Westring plane, der den Fluß des Gewerbeverkehrs in Gronau beschleunigen soll. Erste Grundstücke seien bereits für Millionenbeträge seit 1990 angekauft worden. Doch werde der Straßenzug gebaut, würde die Verkehrsbelastung Gronaus, die bereits jetzt Grenzwerte übersteige, sich noch erhöhen.

Schöne bedrohte Landschaft: Schon jetzt liegt die Strunde tief Doch noch bewässert der Bach den seltenen Auenwald. (Bilder: Möllinghoff)

Naturnaher Spielraum für Kinder und immer seltener werdender Lebensraum für zahlreiche Tier-und Pflanzenarten bietet der Strunderbach. Ein Gewerbegebiet auf der Kradepohlswiese würde dem Bach buchstäblich das Wasser abgraben.

Quelle: 
KStA-19940601-nr125-rn13 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe erteilt für BGV durch KStA mit email vom 28.12.2009

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